Religiöser Führer Akhundzada neuer afghanischer Taliban-Chef

25. Mai 2016, 11:14
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Nach Tötung des bisherigen Führers Mansur bei einem US-Drohnenangriff

Kabul/Quetta – Vier Tage nach der Tötung von Taliban-Chef Mullah Akhtar Mansur durch US-Drohnen haben die radikalen Islamisten einen neuen Anführer gewählt. In einer am Mittwochmorgen von Sprecher Sabiullah Mujahid versandten E-Mail heißt es, einer der beiden bisherigen Mansur-Stellvertreter, Mullah Haibatullah Akhundzada, sei neuer Anführer der Bewegung.

Akhundzada ist ein anerkannter religiöser Führer und hochrangiger Taliban-Richter. Er hat bisher keine Rolle auf dem Schlachtfeld gespielt, was für die afghanischen Taliban ungewöhnlich ist. Neuer erster Stellvertreter sei der Leiter der Militäroperationen, Sirajuddin Haqqani, der auch als Stellvertreter Mansours fungiert hatte. Zweiter Stellvertreter wurde der Sohn des verstorbenen langjährigen Taliban-Chefs Mullah Omar, Yaqoob.

Wenig Details bekannt

Akhundzada ist ein religiöser Führer, Gelehrter und hoher Richter – er gehört den Taliban schon seit langer Zeit an. Wie lange genau bleibt bisher, wie vieles andere, unklar. Selbst wie der Mullah aussieht, ist ein Rätsel.

Der Onlinenachrichtendienst Afghan Islamic Press zeigte am Mittwoch das Bild eines hageren Mannes mit langem schwarzgrauem Bart und weißem Turban. Aber ein Sprecher der Taliban sagte der BBC in Afghanistan, dass es von ihm kein bekanntes Foto gebe und dass er sich auch nicht fotografieren lassen wolle.

Herkunftsort Kandahar

Akhundzada wird auf um die 50 geschätzt und stammt aus dem Kernland der Talibanelite, Kandahar. Nach unterschiedlichen Quellen werde er als ehemaliger Oberster Richter der Taliban, als dessen Stellvertreter oder als ehemaliger Leiter der Talibangerichtshöfe beschrieben, heißt es in einer im Februar veröffentlichten Studie des Rechercheinstituts Afghanistan Analysts Network.

Er sei außerdem einer der wenigen Männer gewesen, die das Vertrauen des langjährigen, verehrten Talibanchefs Mullah Omar genossen. Das, seine Wurzeln in Kandahar und seine Stellung als Religionsgelehrter sollte Akhundzada für viele Talibankämpfer zum akzeptablen Anführer machen. Das könnte die unter Mullah Mansur begonnene Zersplitterung der Bewegung aufhalten.

Beschreibung als Hardliner

Laut anderen Quellen haben viele seiner religiös begründeten Entscheidungen (Fatwas) Einsätze der Taliban beeinflusst – vor ihrem Fall in 2001, aber auch seit ihrem erneuten Aufstieg etwa von 2006 an. Eine Quelle aus den Reihen der Taliban beschreibt ihn als Hardliner. Ein Beispiel sei die Zerstörung der berühmten, riesigen Buddha-Statuen von Bamian im Jahr 2001. Während es unter den Taliban auch Stimmen gegen ihre Zerstörung gegeben habe, habe Mullah Haibatullah Akhundzada entschieden dafür gestimmt.

Seine Familie lebt laut pakistanischen Sicherheitskreisen in der südwestpakistanischen Stadt Quetta. In Kandahar soll Akhundzada eine oder mehrere Religionsschulen betreiben. (APA, 25.5.2016)

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