Warum die Wiener Grünen jetzt die Boulevardfinanzierung beenden müssen

Userkommentar25. Mai 2016, 10:44
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Ein Ende der Inseratepolitik wäre auch eine Frage des Anstands

"80 Prozent der Grafik sind blau. Warum kann es dann trotzdem 50:50 stehen?" "In Wien waren viele Bezirke blau, jetzt sind die grün. Wurde die Bevölkerung ausgetauscht?" "Das mit den Wahlkarten ist Betrug. Wie kann man vorher schon wissen, wie viele Wahlkarten es gibt?" Solche Dinge posten die Fans von Heinz-Christian Strache auf seiner Facebook-Seite. Ich habe versucht, diese Fragen zu beantworten.

rudolf fußi

Österreich hat ganz offensichtlich ein Bildungsproblem. Anders ist das nicht mehr zu erklären. Und die Politik trägt nicht nur durch ihre verfehlte Bildungspolitik eine Mitschuld. Hauptverantwortlich ist die fortgesetzte Verdummung der Menschen durch Boulevardmedien.

Boulevardmedien vermitteln den Menschen ein Bild, das mit der Realität kaum etwas zu tun hat. Woran man das erkennt? Nun, "Krone", "Österreich" und "Heute" sind voll mit Geschichten über Asylstrom, Gangster, plündernde Horden und andere Absurditäten. Das meiste spielt sich in Wien ab. In Wien empfinden das Leute nachweislich anders. Entlang der mittlerweile berüchtigten U6 hat Alexander Van der Bellen nicht schlechter abgeschnitten als in den Bobo-Hochburgen. Der Boulevard vermittelt ein Bild von Wien, als wäre hier der Notstand ausgebrochen. In Wien wirkt das nicht so stark wie auf dem Land.

"Ist es echt so arg in Wien?"

"Sag einmal, ist es echt so arg in Wien?", fragte unlängst ein Bekannter im Waldviertel. Die Frage hat mich überfordert, ich habe mit einer Gegenfrage geantwortet: "Was soll da leicht arg sein? Wie kommst drauf?" – "Steht ja jeden Tag in der Zeitung!" – "In welcher Zeitung?" – "Na, in 'Krone' und 'Österreich'."

Und damit zum Problem: Wir reden von Bildungsnotstand und finanzieren mit unserem Steuergeld die Verdummung der Bevölkerung durch Inserate im Boulevard, die diesen am Leben erhalten.

Der Inseratewahnsinn

Spätestens jetzt, es ist höchst an der Zeit, muss Maria Vassilakou das Gespräch mit der Wiener SPÖ suchen und diesen Inseratewahnsinn abstellen. Die Wiener Grünen müssen sich endlich entscheiden, was sie wollen. Das Gerede, dass man eh um ein Drittel weniger in den Boulevard pumpen werde, ist und bleibt lieb, aber lieber Schwachsinn. Es ist an der Zeit, dies zu beenden. Erst wenn man dem Boulevard Geld entzieht, wird er lernen.

Abgesehen davon, dass es schwachsinnig ist, Verdummungsmedien am Leben zu erhalten, die durch ihre Berichterstattung die Spaltung der Gesellschaft vorantreiben, ist es auch eine Frage des Anstandes: Geld fehlt an allen Ecken und Enden in der Sozialpolitik, und ich will keine Politiker haben, die es nicht lieber an wirklich Bedürftige geben. Also, lieber Bürgermeister Michael Häupl, aber vor allem, liebe Maria Vassilakou, hört damit auf. Jetzt. (Rudolf Fußi, 25.5.2016)

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