Slowakei schickt Lajčák ins Rennen um UN-Chefposten

24. Mai 2016, 18:56
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Regierung will Bewerbung am Mittwoch offiziell absegnen – Außenminister möglicher Kompromisskandidat für USA und Russland

Bratislava – Die Slowakei schickt ihren Außenminister Miroslav Lajčák offiziell ins Rennen um den Posten des UN-Generalsekretärs. Die Regierung des Sozialdemokraten Robert Fico werde dies bei ihrer Sitzung am Mittwoch beschließen, meldete das Internetportal der slowakischen Tageszeitung "Sme" unter Berufung Regierungsquellen am Dienstag.

Die Unterstützung der Regierung genießt Lajčák schon länger. Ministerpräsident Fico hatte noch vor den Parlamentswahlen im März angekündigt, der Chefdiplomat sei für ihn der einzige geeignete Bewerber. Sollte er die Kandidatur annehmen, werde ihn die Regierung unterstützen, so Fico. Lajčák selbst hatte gesagt, die Bewerbung um den UN-Chefposten sei "für einen Karrierediplomaten eine Herausforderung, eine Gelegenheit, und vor solchen läuft man nicht weg".

Die zweite Amtszeit des Südkoreaners Ban Ki-moon endet mit Jahresende. Sein Nachfolger soll am 1. Jänner das Amt antreten. Zu diesem Zeitpunkt endet der slowakische EU-Ratsvorsitz, den Lajčák zu seiner obersten Priorität erklärt hatte.

Lajčák hat Medienberichten durchaus Chancen. Zwar kann jedes UN-Land einen Kandidaten vorschlagen, doch wird der Posten des Generalsekretärs traditionell abwechselnd an die einzelnen Weltregionen vergeben. Nun ist nach vorherrschender Meinung die Region Osteuropa, zu der die Slowakei zählt, an der Reihe. Bisher haben sich acht Kandidaten vorgestellt, darunter sechs aus osteuropäischen Ländern. Spekulationen zufolge soll es gegen die jeweiligen Kandidaten aber Einwände geben, weswegen nun weitere Bewerber namhaft gemacht werden.

Die UN-Vollversammlung soll den Erwartungen zufolge im Juli erstmals hinter verschlossenen Türen über den Nachfolger von Ban Ki-moon abstimmen und anschließend ihren Vorschlag dem UN-Sicherheitsrat vorlegen, der das entscheidende Wort bei der Personalie hat. Im obersten Gremium haben die USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich ein Vetorecht. Die Herausforderung besteht darin, einen Kandidaten zu finden, der sowohl Washington als auch Moskau genehm ist.

Der frühere internationale Bosnien-Beauftragte und UN-Spitzendiplomat Lajčák könnte diese Anforderung erfüllen. Er hat sich stets zur transatlantischen Orientierung der Slowakei bekannt, zugleich aber feindselige Äußerungen gegenüber Russland vermieden. Im Ukraine-Konflikt zählt die Slowakei zum Lager jener EU-Staaten, die am meisten Verständnis für Russland haben. (APA, 24.5.2016)

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