Doping: Der nächste Rückschlag für Russland

24. Mai 2016, 18:02
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Russland und Doping, das jüngste Kapitel: Die Nachtests der Proben von Olympia 2008 sollen bei 14 russischen Sportlern positiv gewesen sein

Moskau – Nach Informationen der russischen Nachrichtenagentur Tass sollen bei den in der vergangenen Woche öffentlich gemachten Nachtests von Proben der Olympischen Spiele 2008 in Peking 14 russische Sportler überführt worden sein. Das berichtet die Agentur unter Berufung auf eine nicht namentlich genannte Quelle im Russischen Olympischen Komitee (ROC). Die Namen der betroffenen Sportler nannte die Agentur nicht, bei der Mehrzahl der Fälle soll es sich um Leichtathleten handeln.

In der vergangenen Woche hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Ergebnisse der erneuten Analyse von insgesamt 454 Dopingproben aus Peking bekanntgegeben. Demnach seien 31 Sportler aus sechs Sportarten und zwölf Ländern positiv getestet worden. Die Öffnung der B-Proben steht allerdings noch aus. In dieser Woche will das IOC zudem die Ergebnisse weiterer 250 Nachtests der Spiele in London 2012 veröffentlichen.

Stimmung dreht sich

Vorausgesetzt, die Tass-Informationen stimmen, ist dies für die Sportgroßmacht ein weiterer schwerer Rückschlag. Nach der Suspendierung des russischen Leichtathletikverbandes (Rusaf) und massiven Dopingvorwürfen bei den Winterspielen in Sotschi 2014 mit angeblich mindestens 15 gedopten russischen Medaillengewinnern mehren sich derzeit die Stimmen, die ein Aus des gesamten russischen Teams für die Sommerspiele in Rio de Janeiro (ab 5. August) fordern.

Voraussichtlich am 17. Juni entscheidet der Leichtathletikweltverband IAAF bei einer Tagung in Wien über die Rusaf-Wiederaufnahme. Laut The Times hat sich die Stimmung im IAAF-Councils gegen Russland gedreht.

2008, 2012, 2014 – mittlerweile verliert man fast den Überblick. Bei den Spielen in Peking jedenfalls, also vor acht Jahren, hatten die russischen Leichtathleten überaus erfolgreich abgeschnitten. Im Medaillenspiegel dieser Sportart lagen nur die USA (7 Gold, 9 Silber, 7 Bronze) vor Russland (6/5/7). Von den sechs damaligen russischen Goldmedaillengewinnern wurden Jahre später die Geherin Olga Kaniskina und der Geher Waleri Bortschin rückwirkend gesperrt, sie verloren etliche Medaillen, aber nicht jene von 2008. Noch nicht?

Ausschluss?

Selbst der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach hat kürzlich in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen kompletten Rio-Ausschluss Russlands nicht ausgeschlossen. Der russische Sportminister Witali Mutko versuchte erstmals, mit einer halbherzigen Entschuldigung die Wogen zu glätten. "Wir schämen uns", schrieb Mutko in der Zeitung Sunday Times. "Es tut uns leid, dass wir Athleten, die versucht haben, uns und die Welt zu betrügen, nicht früher überführt haben."

Dabei bezog sich der Politiker auf die Verfehlungen der Leichtathleten. Schuld seien Sportler. Trainer und Funktionäre hätten "schwere Fehler" gemacht. Dennoch wäre ein Startverbot für Russlands Leichtathleten in Rio laut Mutko "unfair" und "unverhältnismäßig". (sid, fri, 24.5.2016)

  • Beschwichtigen und dem Westen Verschwörung vorwerfen, damit kommt Russlands Sportminister Witali Mutko nicht mehr durch.
    foto: reuters/zmeyev

    Beschwichtigen und dem Westen Verschwörung vorwerfen, damit kommt Russlands Sportminister Witali Mutko nicht mehr durch.

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