Wifo stellt wegen wachsender Ungleichheit Steuersystem infrage

24. Mai 2016, 17:51
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Einkommen im Schnitt mit 43 Prozent besteuert, Zinsen mit 25 Prozent, Mieteinnahmen mit 21 Prozent

Wien – Die Kluft zwischen Gut- und Schlechtverdienern geht auch in Österreich auf. Die unteren Einkommen sind zwischen 2005 und 2010 stark gesunken, die oberen hingegen kräftig gestiegen, heißt es in einer Aussendung des Wifo. Neue Daten zu Zins- und Dividendeneinkommen würden darüber hinaus zeigen, dass die Ungleichheit vor der Umverteilung durch den Staat deutlich größer sei als bisher angegeben.

Die Ergebnisse der Studie stellen die Sinnhaftigkeit der jetzigen Abgabenstruktur infrage, schreibt das Wifo. Denn umverteilt werde vor allem durch Ausgaben für Schulen, Gesundheit und Familien. Hoch besteuert würden vor allem Arbeitseinkommen, während Zinsen oder Mieteinkünfte günstiger davonkommen. Die durchschnittliche Abgabenquote auf Einkommen von Unselbstständigen lag 2010 bei 43 Prozent. Bei Zinsen waren es 25 Prozent, bei Mieteinkünften lediglich 21 Prozent, so das Wifo.

Gleichzeitig sei der Anteil an Menschen gestiegen, die weder einen Lohn von einem Arbeitgeber noch eine Pension beziehen. Das Sozialsystem würde ärmere Haushalte heute schlechter erreichen als noch Mitte der 2000er-Jahre. Denn viele Transferleistungen basieren auf dem Versicherungsprinzip und einer Erwerbsbeteiligung. Wer länger ohne Job ist, verliert etwa den Anspruch auf Arbeitslosengeld. (sat, 24.5.2016)

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Wifo-Aussendung (die Studie selbst ist noch nicht öffentlich)

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