Neuer ÖBB-Chef Matthä: Brückenbauer mit Eisenbahn in den Genen

Kopf des Tages24. Mai 2016, 19:32
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Der gebürtige Villacher Andreas Matthä folgt interimistisch auf den neuen Kanzler Christian Kern

Die Übersiedlung in die oberste Etage im ÖBB-Turm auf dem Wiener Hauptbahnhof hat Andreas Matthä am Wochenende erledigt. Es wird wohl ein Standortwechsel von Dauer. Denn wäre der langjährige Chef des für Bahnbau und -betrieb zuständigen Teilkonzerns ÖBB-Infrastruktur tatsächlich nur für sechs Wochen als Interimschef des ÖBB-Konzerns vorgesehen, wie ÖBB-Präsidentin Brigitte Ederer versichert und der Holding-Aufsichtsrat am Dienstag beschloss, könnte Matthä die Staatsbahn auch von seinem Büro am Wiener Praterstern aus führen. Schließlich liegen zwischen den Standorten nur vier Schnellbahnstationen.

Ungeachtet der angelaufenen Ausschreibung für den Top-Job: Dass an deren Ende nicht Matthä als Nachfolger von Neo-Bundeskanzler Christian Kern stehen wird, gilt in Bahn- wie Regierungskreisen als denkunmöglich. Schließlich hat der 1962 in Villach Geborene und im Waldviertel Aufgewachsene eine Bahn-Laufbahn in den Genen, er entstammt quasi Eisenbahn-Hochadel.

Brückenbau

Anders als sein Vater im Kraftwagendienst des Bundes baute der Sohn auf Beton. Der Bauingenieur – die HTL (Abteilung Tiefbau), absolvierte er bereits in Wien – heuerte 1982 in der ÖBB-Bauleitung Wien an, zuständig für Brücken und Tiefbau. Die Betriebswirtschaft holte er nebenberuflich an der Fachhochschule nach.

Brückenbau sollte Matthäs Markenzeichen werden, nicht nur fachlich in der Generaldirektion Brückenbau, sondern vor allem bei der Bahnreform 2004, als die für Hochleistungsstrecken und Schulden zuständige HL-AG, Brennereisenbahn und ÖBB-Planung zur ÖBB-Infrastruktur-Bau-AG fusioniert wurden.

Baukostenüberschreitung

Das schürte intern Rivalitäten – und beim Steuerzahler Ängste vor Baukostenüberschreitungen. Mit striktem Kostenmanagement brachten Matthä als Planungs-, Controlling- und Finanzchef und sein damaliger Chef und Mentor, Thomas Türinger, die Rahmenpläne auf Vordermann. Als 2009 zu viel Sand in Form von Baustellen im Getriebe war, Bahnbau und Netzbetrieb wieder fusioniert wurden, war Matthä mit seiner allseits gepriesenen Handschlagqualität gefragt.

Privat wird dem seit 32 Jahren verheirateten Vater einer erwachsenen Tochter auch nach Westbahnausbau, Hauptbahnhof, Semmering-, Koralm- und Brennertunnel wenig Zeit für Reisen – bevorzugt nach Italien – und Lesen bleiben. Die Liberalisierung setzt dem ÖBB-Güterverkehr zu, dort braucht es Power. (Luise Ungerboeck, 24.5.2016)

  • Ein Bahnbaumanager rückt an die Spitze der ÖBB: Andreas Matthä.
    foto: apa/erwin scheriau

    Ein Bahnbaumanager rückt an die Spitze der ÖBB: Andreas Matthä.

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