Abgang von Kern ins Kanzleramt beschert ÖBB neuen Chef

24. Mai 2016, 19:31
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Andreas Matthä lenkt interimistisch die Geschicke der Bahn – Endgültige Nachfolgeregelung Anfang Juli

Wien – Der Wechsel von ÖBB-Generaldirektor Christian Kern als Kanzler in die Politik hat auch an der Spitze der Bahn und in den nachgeordneten Bereichen eine Personalrochade zur Folge. Nach Josef Halbmayr, der als Finanzvorstand der ÖBB Holding AG kurzfristig auch die Agenden von Kern übernommen hat, wurde vom Aufsichtsrat am Dienstag interimistisch Andreas Matthä als neuer Bahnchef bestellt.

Für Matthä, der als Infrastrukturvorstand der Bahn die Bauvorhaben der Bahn verantwortet, hatte sich zuvor bereits das gesamte Präsidium des ÖBB-Aufsichtsrats ausgesprochen. Der 53-Jährige wird bis zur endgültigen Entscheidung über den neuen Generaldirektor der ÖBB Holding AG Anfang Juli die Geschicke der Bahn lenken. Gut möglich, dass Matthä dann in die Verlängerung geht.

Ausschreibung gestartet

Vergangenes Wochenende wurde die Ausschreibung für den neuen Vorsitzenden der ÖBB Holding veröffentlicht. Demnach soll "eine überzeugende Führungspersönlichkeit" künftig die Weichen bei der Staatsbahn stellen. Der oder die neue ÖBB-Vorstandsvorsitzende soll zudem über "fundierte Erfahrung in der Führung eines vertikal integrierten Eisenbahnkonzerns" verfügen, steht in der Stellenanzeige. Bewerbungen sind bis zum kommenden 21. Juni mittels eingeschriebenen Briefs an die Aufsichtsratsvorsitzende Brigitte Ederer zu richten.

Am 4. Juli soll dann in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung die endgültige Nachfolge von Kern an der Spitze der Staatsbahn fixiert werden. Derzeit werden von Experten Interimschef Matthä die größten Chancen eingeräumt; es werden aber auch zahlreiche weitere Bewerbungen von in- und außerhalb des Bahnkonzerns erwartet.

Betriebsrat will interne Lösung

Der oberste Arbeitnehmervertreter der Eisenbahner, Konzernbetriebsratschef Roman Hebenstreit, präferiert "im Interesse der Belegschaft" eine hausinterne Lösung, wie er der Austria Presse Agentur sagte. Damit wäre die Kontinuität für die laufenden großen Vorhaben der Bundesbahn am besten gesichert, sagte Hebenstreit, der selbst dem Aufsichtsratspräsidium angehört.

Die neue Bahnführung wird sich mit allerhand Problemen herumschlagen müssen, nicht zuletzt mit einem Beihilfeverfahren, das in Brüssel läuft. Dabei geht es um Transparenz in den Geldflüssen und mutmaßliche Quersubventionierung zwischen den Marktbereichen und vom Staat finanzierten Verkehrsdienstleistungen, die die ÖBB erbringt – Der STANDARD berichtete. (red, 24.5.2016)

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  • Neuer Mann an der Spitze der Bahn: Andreas Matthä.
    foto: apa/erwin scheriau

    Neuer Mann an der Spitze der Bahn: Andreas Matthä.

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