USA und Vietnam: Beinahe beste Freunde

Kommentar24. Mai 2016, 17:42
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Auch wenn Obama die Einhaltung der Menschenrechte einmahnt, ist das zwar ein Signal, behält aber den Beigeschmack der reinen Taktik

Große Länder "sollten kleinere nicht schikanieren", Streitigkeiten friedlich gelöst werden: Die Worte von US-Präsident Barack Obama, geäußert beim aktuellen Vietnam-Besuch, zielten natürlich auf China, das von Vietnam nicht zuletzt im Streit um Territorialansprüche im Südchinesischen Meer als Bedrohung empfunden wird.

Die USA haben ihrerseits Interesse daran, dass China seine Vormachtstellung mit Basen in der rohstoffreichen Region nicht ausbaut. Es ist nur logisch, sich gegen diese chinesischen Territorialansprüche mit kleineren Playern zusammenzuschließen. Nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Auch die am Montag angekündigte Aufhebung des US-Waffenembargos gegen den einstigen Erzfeind Vietnam ist in Zusammenhang mit den Ambitionen Chinas zu sehen.

Bei allen berechtigten sicherheits(strategischen) und wirtschaftlichen Interessen, die die USA in der Annäherung zu Hanoi verfolgen, scheint aber eines in den Hintergrund zu rücken: Das Land ist und bleibt eine kommunistisch regierte Parteidiktatur, die Grundrechte systematisch einschränkt, Medien und Justizwesen kontrolliert, Regimekritiker und Minderheiten unterdrückt. Und auch wenn Obama nun die Einhaltung der Menschenrechte einmahnt – was angesichts der Vietnamkrieg-Vergangenheit fast etwas ironisch anmutet -, ist das zwar ein Signal, behält aber den Beigeschmack der reinen Taktik. (Manuela Honsig-Erlenburg, 24.5.2016)

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