Unicredit-Chef Ghizzoni erklärt Rücktritt

24. Mai 2016, 18:00
8 Postings

Nachfolger soll am 9. Juni eingesetzt werden

Der seit sechs Jahren amtierende Unicredit-Chef Federico Ghizzoni hat am Dienstag anlässlich einer außerordentlichen Verwaltungsratssitzung in Mailand seinen Rücktritt erklärt. Ghizzoni wird nun so lange im Amt bleiben, bis ein neuer Chef gefunden ist. Die besten Aussichten auf die Nachfolge haben laut Mailänder Finanzkreisen Marco Moretti, Vizepräsident von Merrill Lynch Europe, Mediobanca-Chef Alberto Nagel und UBS-Chef Sergio Ermotti. Eine Beratungsgesellschaft soll in den nächsten Tagen den neuen Unicredit-Chef suchen – ernannt werden soll der dann bereits in der nächsten Verwaltungsratssitzung am 9. Juni.

Der 60-jährige Bankmanager Ghizzoni hatte zu Wochenbeginn in Madrid erklärt, dass er die ordentlichen Geschäfte bis zum Antritt seines Nachfolgers weiterführen werde. Ghizzoni sprach zudem von "vollem Vertrauen", das zwischen ihm und dem Board herrsche. Die Anleger befürworten Ghizzonis Abgang: Mit Kursgewinnen bis zu vier Prozent zählte Unicredit am Dienstag zu den Gewinnern an Mailands Börse.

Vorwürfe gegen Ghizzoni

Aber gerade die Kursverluste von über 40 Prozent in den letzten sechs Monaten, die schwache Kapitalausstattung (mit einer geringen Kernkapitalquote von 10,5 Prozent) und die von Ghizzoni versprochene Kapitalaufstockung bei der Volksbank von Vicenza hatten zur Unzufriedenheit der Großaktionäre geführt. Zudem ist die vor zwei Jahren eingeleitete Fusion zwischen der Unicredit-Asset-Management-Tochter Pioneer Investments und der spanischen Santander Asset Management immer noch nicht abgeschlossen. Finanzkreise halten einen Flop der Fusion für möglich. Schließlich ist auch der bereits vor einem Jahr versprochene Verkauf der Ukraine-Tochter noch nicht über die Bühne. Auch der angeblich verlangsamte Kostenabbau bei der Bank Austria wird kritisiert. Analysten von der Royal Bank of Scotland schätzen den Kapitalbedarf der Unicredit auf fünf bis sieben Milliarden Euro. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 25.5.2016)

  • Tritt ab: Federico Ghizzoni
    foto: reuters/stefano rellandini

    Tritt ab: Federico Ghizzoni

Share if you care.