Von der Wiederentdeckung des Hörens

24. Mai 2016, 17:00
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Komponist, Pianist und Veranstalter Thomas Larcher über das von ihm geleitete hochkarätige Festival der Kammermusik Musik im Riesen

Wattens – Thomas Larcher ist der Glücksfall eines Universalisten. Der Komponist und Pianist spielte u. a. mit Dirigenten wie Claudio Abbado, Pierre Boulez und Franz Welser-Möst. Und seine Stücke wurden von Artemis Quartett, Heinrich Schiff und Matthias Goerne interpretiert – im Orchesterbereich deuteten ihn das RSO und das San Francisco Symphony Orchestra.

Tatsächlich ist Larcher aber auch Konzeptualist. Einst bei den Klangspuren, entwirft er seit 2004 die Programme des Festivals Musik im Riesen: "Früher hat das ,Veranstalten' mein Leben dominiert. Das ist kaum mehr vorstellbar. Mehr denn je muss jede Tätigkeit in ganz alltäglicher Hinsicht ,sinnvoll' sein."

Larcher: "Das Projekt ,Impuls' etwa, das zur Förderung junger Profimusiker entwickelt wurde, ist ein wesentlicher Bestandteil des Festivals geworden. Heuer gibt es Reichs Drumming mit Studenten des Konservatoriums Innsbruck." "Impuls" solle "ein kleines Projekt in dieser Region sein, das jungen Musikern vor Ort ermöglicht, mit den Musikern, die bei Musik im Riesen auftreten, zu arbeiten."

Tolles Quartett

In den Swarovski-Kristallwelten sind es neben Perkussionist Colin Currie auch Pianist Leif Ove Andsnes, Geiger Christian Tetzlaff, Bratschistin Tabea Zimmermann und Cellist Clemens Hagen. Sie eröffnen als Meisterquartett am 25. Mai, sodann spielt Pianist Till Fellner (27. 5.). Am 29. Mai leitet schließlich Gregor A. Mayrhofer das Ensemble intercontemporain (mit Georg Nigl) durch das tiefgründige Monodrama Eight Songs for a Mad King von Peter Maxwell Davies.

Beim Festivalplanen – ist zuerst die Idee da, welche Künstler gastieren sollen? Oder definiert Larcher zuerst das Repertoire? "Es muss um die Musik gehen, hier um eine Musik, die am besten hör- und erlebbar wird, wenn eine Gemeinschaft aus Komponist, Musikern und Publikum entsteht."

Klassische Musik, "oder wie immer man das nennen möchte, und jegliche Art von Musik, wenn man von einigen Entwicklungen zu Ende des letzten Jahrtausends absieht, war immer direkt erlebbar. Die Idee hinter diesem und wahrscheinlich hinter jedem Musikfestival ist es, dieses Erleben zu ermöglichen." Larcher weiter: "In einer Zeit, in der die menschliche Aufmerksamkeitsfähigkeit drastisch verkürzt wird, in der das Sprechen miteinander von Chat und Viber verdrängt wird, in der Erlebnisse nicht mehr erlebt, sondern fotografiert und dann ,geliked' werden, finde ich das wichtiger denn je: Wir dürfen das Hören nicht verlernen!" Musik im Riesen ist also auch eine besondere Schule des Hörens. (Ljubisa Tosic, 24.5.2016)

  • Bringt tolle Musiker wie Pianist Leif Ove Andsnes, Geiger Christian Tetzlaff, Brachistin Tabea Zimmermann und Pianist Till Fellner nach Wattens – Thomas Larcher.
    foto: haughton

    Bringt tolle Musiker wie Pianist Leif Ove Andsnes, Geiger Christian Tetzlaff, Brachistin Tabea Zimmermann und Pianist Till Fellner nach Wattens – Thomas Larcher.


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