Ein Fischsaurier, wie man ihn noch nicht gesehen hat

25. Mai 2016, 16:37
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Das ungewöhnliche Meeresreptil Sclerocormus parviceps lässt vermuten, dass sich die Ichthyosaurier nach einer globalen Katastrophe geradezu explosiv diversifizierten

Wieder einmal zeigt sich, dass man auf der Plattform DeviantArt so ziemlich alles findet, was man sich nur vorstellen kann (und auch vieles, was man sich nie hätte vorstellen können oder wollen ...). Praktisch in diesem Fall: Ein Paläontologieliebhaber hat flugs die Illustration eines ungewöhnlichen Fischsauriers erstellt, dessen Entdeckung erst Anfang der Woche bekannt gegeben worden war. Während die in "Scientific Reports" veröffentlichte Studie leider kein Bild vom rekonstruierten Äußeren mitgeliefert hat, erhält man hier einen ganz guten optischen Eindruck dessen, was die Forscher beschrieben haben.

Die Mutter aller Katastrophen als Startschuss

Das Tier, dessen in China gefundene Fossilien Paläontologen des Chicagoer Field Museum untersuchten, erhielt die Bezeichnung Sclerocormus parviceps und lebte vor etwa 250 Millionen Jahren – nicht allzulange also nach dem größten Massenaussterbeereignis der Erdgeschichte. Die globale Katastrophe an der Perm-Trias-Grenze wirkte sich nicht nur an Land verheerend aus, sie löschte auch geschätzt 96 Prozent aller Spezies von Meeresbewohnern aus.

Durch die Katastrophe waren viele ökologische Nischen frei geworden und wurden nun von neuen Tiergruppen besetzt, die damit einen großen Aufschwung erlebten. Eine dieser Gruppen waren die Ichthyosaurier: ganz an ein Leben im Wasser angepasste Reptilien mit fisch- oder delfinähnlichem Körperbau.

Vielfalt im Rekordtempo

Sclerocormus parviceps konnte dieser Gruppe zugeordnet werden – er sah allerdings ganz anders aus als die üblichen Fischsaurier. Anstatt einer fischartigen Schwanzflosse hatte er einen langen, peitschenähnlichen Schwanz ohne Flosse am Ende. Seine Schnauze war nicht langgestreckt, sondern auffallend kurz, und im Maul waren keine Spuren von Zähnen zu finden. Die Forscher um Olivier Rieppel vermuten, dass Sclerocormus seine Beute durch Unterdruck einsaugte wie ein Amphibium.

Faszinierend ist für Paläontologen aber nicht allein der von der üblichen Fischsaurierformel abweichende Körperbau des Tiers, sondern auch dessen Alter. Wenn ein so früher Vertreter der Ichthyosaurier schon eine derart individuelle Körperform aufwies, bedeutet dies, dass der Aufschwung der Ichthyosaurier nach dem Massenaussterben und die damit verbundene Zunahme an unterschiedlichen Arten noch schneller abgelaufen sein muss, als man für möglich gehalten hätte. Rieppel vermutet, dass die Fossilienlagerstätten aus jener wichtigen biologischen Wendezeit noch eine Menge an ungeahnter Diversität bergen. (red, 25. 5. 2016)

  • Die Fossilien von Sclerocormus parviceps wurden in China gefunden.

    Die Fossilien von Sclerocormus parviceps wurden in China gefunden.

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