Aus für "500er" läutet dessen Hortung ein

26. Mai 2016, 12:06
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Das Ende des 500-Euro-Scheins droht Angebot und Nachfrage derart aus dem Lot zu bringen, dass für die Note mehr gezahlt werden könnte, als darauf steht

Wien – Der Wert von Zahlungsmitteln kann mitunter ihren Nennwert übersteigen, wie etwa Gold- oder Silbermünzen zeigen. Obwohl auf einem Philharmoniker aus einer Feinunze Gold nur ein Nennwert von 100 Euro geprägt ist, wird er von der Münze Österreich wegen des höheren Metallwerts derzeit um rund 1150 Euro ausgegeben. Ein ähnliches Phänomen, wenngleich aus anderen Ursachen, könnte künftig auch bei 500-Euro-Scheinen auftreten.

Großen Geldscheinen geht es weltweit unter dem Mäntelchen der Verbrechensprävention tendenziell an den Kragen, Anfang Mai wurde von der Europäischen Zentralbank (EZB) das Ende des "500ers" besiegelt. Obwohl die Oesterreichische Nationalbank laut eigenen Angaben noch nicht angefangen hat, den Schein aus dem Umlauf zu nehmen, war bereits vor der offiziellen Entscheidung ein bemerkenswerter Schwund eingetreten. Nachdem zum Jahreswechsel noch fast 614 Millionen Scheine im Umlauf waren, lag deren Anzahl Ende des ersten Quartals bei nur noch 594 Millionen, immerhin ein Rückgang um drei Prozent.

Basierend auf der Erwartung einer weiteren Verknappung hat Fondsmanager Richard Woolnough von M&G Investments die Prognose aufgestellt, dass die 500-Euro-Banknote künftig mit einem Aufschlag gegenüber dem Nennwert gehandelt werde – vor allem nach 2018, wenn keine neuen Scheine mehr ausgegeben werden, diese aber bis mindestens 2025 in der Eurozone gesetzliches Zahlungsmittel bleiben.

Geringste Lagerkosten

Woolnough begründet seine Erwartung damit, dass die Nachfrage nach der Banknote mit den geringsten Lagerkosten steigen werde. Derzeit hebt die EZB für Bankeinlagen Strafzinsen von jährlich 0,4 Prozent ein – was auf einen "500er" umgelegt bedeutet, dass jedes Jahr zwei Euro flöten gehen. Daher beginnen manche Geldhäuser, für große Einlagen von Geschäftskunden Negativzinsen einzuheben, und bereiten Private zaghaft darauf vor, dass dies auch ihnen bei einem längeren Anhalten der EZB-Strafzinsen drohen könnte. Wobei die Notenbank in ihrem Kampf gegen eine drohende Deflation die Zinsen durchaus noch weiter unter null drücken könnte.

Da durch das Horten von Bargeld negative Zinsen ausgehebelt werden, könnte die Nachfrage nach 500-Euro-Scheinen künftig deutlich zulegen. Bei den meisten Privaten dürften die Beträge freilich nicht so hoch ausfallen, dass die Kosten für Lagerhaltung samt Sicherheitssystemen ins Gewicht fallen – sprich: Jeder größere Geldschein erfüllt daher die Anforderungen, um Negativzinsen großräumig zu umschiffen.

Aufgrund dieser Gedankenspiele erscheint es aber ratsam, 500-Euro-Banknoten bis auf weiteres zu horten. Da der "500er" mit der Debatte um seine Abschaffung in den Dunstkreis illegaler Machenschaften gerückt ist, sollte aber Folgendes bedacht werden: Wenn jemand in Zukunft eine größere Stückzahl von 500-Euro-Scheinen zurücktauschen möchte, sollte er die Herkunft der Banknoten auch plausibel erklären können. (Alexander Hahn, 26.5.2016)

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