Wahlsendungen in ARD und ZDF: Von außen betrachtet

24. Mai 2016, 16:00
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"Warnsignal, Weckruf für Europa", unkten Kommentatoren in deutschen TV-Sendern. Zu feiern gab es aus ihrer Sicht nichts

Während Österreich noch ganz im Taumel des geschlagenen Gladiatorenkampfs lag, dröhnte andernorts schon der Wahlkater. Die schlechte Stimmung resultiert aus einem Blick aufs große Ganze, das trotz des designierten Entschleunigungspräsidenten eine ungute Schlagseite bekommen hat.

Nichts zu feiern

"Warnsignal, Weckruf für Europa", unkten Kommentatoren in deutschen TV-Sendern. Zu feiern gab es aus ihrer Sicht nichts: "Mitten in Europa zeigen sich fremdenfeindliche Rechtspopulisten leider einmal mehr im Aufbruch", stellte Brigitte Abold in den ARD-Tagesthemen sachlich-nüchtern fest – eine Tatsache, die im ORF nur sekundär beachtet wurde. Hier blieb die Einordnung des Geschehens weitgehend auf das zwischen zwei Kontrahenten ausgetragene Wahlduell reduziert. Auf praktischen Verstand ausgerichtet war das Interview mit dem Politologen Karl-Rudolf Korte. Was man gegen Rechtspopulisten tun könne, wurde Korte in der ZDF-Sondersendung gefragt. Der antwortete kurz und gut: "Selber attraktiv werden."

Authentizität

ORF-Diskussionsleiterin Ingrid Thurnher meinte ebendort auf diese Frage, nicht-rechtspopulistische Parteien sollten mehr soziale Medien nützen, und generell wirke Authentizität immer. Manchmal wünscht man sich allerdings ein bisschen weniger davon und etwas mehr Professionalität. Dieses Mal seien ja viele "eigentlich gezwungen" worden, Van der Bellen oder Hofer zu wählen, mit denen sie sich "sonst nicht identifizieren würden", leitete Lisa Gadenstätter ihre Frage an den ehemaligen Justizminister und FPÖ-Politiker Dieter Böhmdorfer in der "ZiB 24" ein – und lieferte diesem damit eine Steilvorlage für "die schlechte Politik" von Rot-Schwarz. (Doris Priesching, 25.5.2016)

  • Brigitte Abold in den ARD-Tagesthemen.
    foto: ard mediathek

    Brigitte Abold in den ARD-Tagesthemen.

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