EU-Aufseher starten neuen Stresstest für Versicherer

24. Mai 2016, 15:54
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Niedrigzins-Effekte im Fokus – Kombiniert mit simuliertem Finanzmärkte-Schock

Frankfurt – Die europäischen Versicherer müssen in einem neuen Stresstest ihre Stabilität im Krisenfall unter Beweis stellen. Im Zentrum stehen die Auswirkungen der anhaltenden Niedrigzinsen, zusätzlich kombiniert mit einem simulierten Schock an den Finanzmärkten, wie die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA am Dienstag in Frankfurt mitteilte.

Bis Mitte Juni müssen die Versicherer dazu ihre Daten bei den nationalen Aufsichtsbehörden einreichen – die deutschen Versicherer bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Dem Stresstest liegen die neuen Kapital- und Aufsichtsregeln zugrunde, die unter dem Namen "Solvency II" Anfang des Jahres in Kraft getreten sind. Stichtag der untersuchten Finanzzahlen ist der 1. Jänner 2016. Die Ergebnisse des Tests sollen im Dezember vorliegen. Die Testergebnisse einzelner Versicherer will die EIOPA allenfalls anonymisiert oder in Gruppen zusammengefasst veröffentlichen.

Probleme nicht ausgeschlossen

Beim letzten Stresstest vor zwei Jahren hatte sich herausgestellt, dass bei einem Szenario lang anhaltender niedriger Zinsen rund jedes vierte untersuchte Unternehmen die Kapitalanforderungen nach "Solvency II" verfehlen könnte. Einen Teil der Gesellschaften setzte die EIOPA zudem einem extremen Stress-Szenario mit fallenden Aktien- und Anleihekursen sowie weiteren Schocks wie hohen Schäden durch Naturkatastrophen und einer Kündigungswelle ihrer Kunden aus. In diesem Fall erfüllten nur noch 56 Prozent die Anforderungen.

Diesmal will die Behörde ihre Überprüfung ausweiten. In jedem EU-Land sollen die Aufsichtsbehörden so viele Institute unter die Lupe nehmen, dass mindestens drei Viertel des Lebensversicherungsmarkts abgedeckt ist. 2014 lag die Mindestquote nur bei der Hälfte der Unternehmen.

Laut EIOPA-Präsident Gabriel Bernardino soll dabei nicht im Fokus stehen, welche Unternehmen die vorgeschriebenen Kapitalquoten im Krisenfall einhalten. Vielmehr gehe es darum, welche Auswirkungen eine Schieflage von Versicherern auf das gesamte Finanzsystem in der EU hätte.

Während die EIOPA vor zwei Jahren auch das Abschneiden von Versicherungskonzernen als Gruppe betrachtete, will sie diesmal lediglich das Abschneiden der jeweiligen Einzelgesellschaften in den Blick nehmen. Sie wolle die Unternehmen bei der Datenerhebung nicht überfordern. Bestimmte Teilgesellschaften seien mit ihrem langfristigen Geschäft besonders anfällig für die anhaltenden Niedrigzinsen. So macht das Zinstief vor allem Lebensversicherern zu schaffen, die hohe Zinsgarantien aus alten Lebensversicherungsverträgen erfüllen müssen. (APA, 24.5.2016)

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