Viv: Künstliche Intelligenz als Ende der "App-Revolution"

25. Mai 2016, 09:57
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Neue KI von Siri-Entwicklern zeigt hohes Kontext-Verständnis – offenes System soll Verbreitung fördern

Einst haben sie Siri entwickelt, die Sprachhelferin, die heute Besitzern von Apple-Geräten das Leben erleichtert. Vor kurzem haben sie mit Viv eine neue künstliche Intelligenz vorgestellt, die den Beginn eines neuen Paradigmas einläuten soll.

Bald zehn Jahre lang dominieren meist auf spezifische Einsatzzwecke zugeschnittene Programme unsere Smartphones. Doch schon in wenigen Jahren dürfte die "App-Revolution" laut den Viv-Entwicklern Adam Cheyer und Dag Kittlaus am Ende sein. Sie haben ihre Technologie am Pioneers-Festival in Wien präsentiert.

Aufbruchstimmung

Wo man sich heute noch durch eine zunehmend erschlagende Vielfalt an Software in den Stores wühlt, sollen künftig kluge Algorithmen übernehmen. "Wir sind dreieinhalb Jahre lang im gleichen Raum gesessen, um Viv zu entwickeln", beschreiben die Erfinder. Denn sie erwarten sich viel von den kommenden Jahren.

Nachdem Apple Siri gekauft und zum Einsatz gebracht hat, sind zahlreiche andere Unternehmen mit Milliarden-Investitionen in das KI-Rennen eingestiegen. Google legte mit Google Now und nun dem Google Assistant nach. Microsoft wiederum pflegt Cortana.

foto: viv/pioneers festival
Eine der Kontextwolken, mit denen Viv arbeitet.

Drittanbieter als Schlüssel

"Jeder will einen Assistenten und nicht immer darüber nachdenken, wo gerade welcher Dienst am besten verfügbar ist", beschreiben Kittlaus und Cheyer ihre Zielsetzung. Um gute Arbeit zu leisten, müsse die künstliche Intelligenz den Nutzer allerdings kennenlernen, sich seine Vorlieben merken und beim Wechsel des Endgerätes uneingeschränkt weiter funktionieren.

Weil kein Unternehmen der Welt alle Dienstleistungen anbieten kann, soll Offenheit für Drittanbieter der Schlüssel für Vivs Erfolg werden. Man hat bereits zahlreiche Dienstleister – vom Blumenversand über Hotels bis hin zum Flighttracker integriert und wird die eigene Plattform zudem für andere Unternehmen öffnen. Diese können dann Viv um eigene Module erweitern, was die künstliche Intelligenz noch mächtiger machen soll.

Viv versteht komplizierte Anfragen und Kontext

Dass Viv einen deutlichen Sprung nach vorne bedeutet, hat man mit Live-Demos auf der Bühne bewiesen. Die Sprachassistentin versteht Abfragen und Anweisungen wie "Ist mein Flug pünktlich?", "Schicke Michael 50 Dollar für das Abendessen von gestern" oder "Buche einen Fensterplatz auf einem Direktflug von X nach Y drei Tage nach nächstem Freitag". Für jede Anfrage schreibt Viv eine Art kleines Programm, das die Anfrage in ihren Einzelteilen auswertet und anschließend in Kontext setzt.

Kleinere Pannen bei der Vorführung gab es bei der Spracherkennung – laut Entwicklern verursacht durch das hohe Echo in der Halle – und weil das Test-Smartphone nicht in der Lage war, seinen Standort zu ermitteln.

foto: viv/pioneers festival
So verarbeitet Viv Nutzeranfragen.

Modulentwicklung per Javascript, HTML, CSS

Derzeit existiert Viv – freilich nicht öffentlich – für iOS und Android, allerdings ausschließlich auf Englisch. Das solle sich langfristig allerdings ändern, zudem könnten Entwickler eigene Module selber übersetzen. Öffentlich ist das Programm freilich noch nicht, man will sich aber drei Pioneer-Start-ups öffnen, die interessante Anwendungsfälle für die Sprachassistentin bieten.

Während die zugrunde liegende künstliche Intelligenz mit Java entwickelt wird, sollen sich Module mit Kenntnissen umsetzen lassen, die für die Entwicklung von Web-Apps notwendig ist – JavaScript, HTML, CSS.

Entwickler versprechen vorsichtigen Umgang mit Daten

Schnell ein Kommando ins Handy oder ein anderes geeignetes Gerät zu sprechen, sei der "schnellste Weg, Dinge zu erledigen". Darum wird künstliche Intelligenz das App-Zeitalter ablösen, glauben die Entwickler. Zur Nutzung von Viv muss ein Gerät prinzipiell ein Mikrofon oder eine andere Eingabemöglichkeit bieten, seine Position erkennen können, über sichere Authentifizierung verfügen und optional ein Display mitbringen.

Das umfangreiche Wissen über den Nutzer, das sich Viv mit der Zeit aneignet, wirft natürlich auch Datenschutzbedenken auf. Die Entwickler wollen sicherstellen, dass Viv nicht beliebig Daten übermittelt, sondern Informationen gezielt an jene Dienste preis gibt, die sie in diesem Moment zur Ausführung einer bestimmten, vom User angefragten, Tätigkeit benötigen.

Bald so wichtig wie WLAN?

Viv soll sich derzeit dort befinden, wo 2007 das App-Ökosystem stand, bevor es in den Folgejahren boomte. In wenigen Jahren soll sie vom Novum zum universellen Werkzeug geworden sein, so ubiquitär wie Technologien à la Bluetooth oder WLAN. (gpi, 25.05.2016)

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