Forscher arbeiten an Comeback einer Tarnmethode aus dem Ersten Weltkrieg

31. Mai 2016, 15:46
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Neue Generation von "Dazzle Camouflage": Bewegte Streifen beeinflussen die Wahrnehmung der Geschwindigkeit eines Objekts

Bristol – Während des Ersten Weltkriegs kreuzten jede Menge Schiffe auf den Meeren, die wie eine Mischung aus Zebras und dem legendären Münchner Freizeitzentrum Schwabylon aussahen: Über die Schiffshüllen verliefen Streifen unterschiedlicher Farbe in wilden Zickzackmustern – ein psychedelischer Anblick.

Entwickelt hatte die sogenannte "Dazzle Camouflage" der britische Künstler Norman Wilkinson. Diese spezielle Tarnung sah zwar auffällig aus, sollte es Angreifern aber schwer machen, Entfernung, Richtung und Geschwindigkeit des optisch in kleinere Einheiten aufgelösten Zielobjekts genau zu bestimmen. Die Effektivität dieser Tarnung konnte aber nie eindeutig geklärt werden, und so verschwand die Dazzle Camouflage wenige Jahrzehnte später wieder in den Schubladen.

Neubeginn

Forscher der Universität Bristol haben die Methode daraus nun wieder hervorgeholt und getestet, ob sie sich – mit verbesserter Technologie – nicht doch nutzen lässt. Ihr Innovationsschritt: Sie setzten auf bewegliche Muster, wie sie zu Wilkinsons Zeiten technisch noch nicht möglich gewesen wären.

Für ihre Versuchsreihe ließ das Team um Joanna Hall vom CamoLab der Uni Bristol Rechtecke mit Streifenmustern an den Augen von Probanden vorbeiziehen. Größe und Geschwindigkeit der Zielobjekte waren so gewählt, dass sie optisch einem Land Rover entsprachen, der in 70 Meter Entfernung mit 90 km/h am Betrachter vorüberzieht – laut den Forschern eine gängige Distanz, um Fahrzeuge mit Granatwerfern zu beschießen.

Vielversprechende Ergebnisse

Die Tests ergaben, dass bewegte Streifen tatsächlich Einfluss auf die wahrgenommene Geschwindigkeit des Objekts haben: Bewegen sie sich in Fahrtrichtung, scheint das Objekt schneller zu sein. Bewegen sie sich der Fahrrichtung entgegen, scheint es zu verlangsamen. Am stärksten war der Effekt, wenn die Streifen die gesamte Hülle bedeckten – aber auch kleinere Felder am Vorder- und Hinterende zeigten bereits Wirkung.

Laut Hall sind weitere Forschungen nötig, um zu sehen, wie effektiv die neue alte Tarnmethode in der realen Welt ist. Sie verweist aber auf ihre vielversprechenden Ergebnisse: Die Einschätzung der Geschwindigkeit durch die Probanden wich um bis zu 15 Prozent von der tatsächlichen ab. Gemäß der Versuchsanordnung würde das bedeuten, dass ein Angreifer zwei Meter am Land Rover vorbei geschossen hätte. (red, 31. 5. 2016)

  • Die "HMAS Yarra", ein Geleitschiff der australischen Marine, das zur U-Boot-Bekämpfung vorgesehen war, mit Dazzle-Tarnung.
    foto: archiv

    Die "HMAS Yarra", ein Geleitschiff der australischen Marine, das zur U-Boot-Bekämpfung vorgesehen war, mit Dazzle-Tarnung.

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