"Mica, The Hipster Cat Bot": Erster Facebook-Chatbot aus Österreich

Interview31. Mai 2016, 09:30
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Entwicklerin Barbara Ondrisek im Interview über das Trendthema Chatbots

Chatbots sind der neueste Trend bei Internetkonzernen wie Facebook, Google und Microsoft. Mit ihnen können Nutzer in Messaging-Apps auf mehr oder weniger natürliche Art und Weise kommunizieren, um etwa einen Tisch zu Reservieren, das Wetter abzufragen oder in einem Online-Shop zu bestellen. Die Wiener Barbara Ondrisek hat mit "Mica, The Hipster Cat Bot" den ersten Facebook-Chatbot aus Österreich entwickelt. Im Interview spricht sie über Vorteile und Aussichten für die künstlichen Konversationspartner.

STANDARD: Empfehlungs-Apps und -Websites gibt es unendlich viele: was hebt den Chatbot hervor?

Ondrisek: Mica ist ein interaktiver Chat(ro)bot, das heißt, dass man mit ihr wie mit einer realen Person in Facebook Messenger schreiben kann. Der Vorteil von Bots ist, dass erstens ohne große Hürde viele Leute erreicht werden können. So kann einfach jeder der 900 Millionen Facebook-User chatten, ohne eine App installieren zu müssen, etwas zu zahlen oder sich zusätzlich zu registrieren. Weiters fällt auch das Authentifizieren der Personen weg, da man bereits die Grunddaten einer Person vom öffentlichen Profil kennt. Das wird vor allem für ein zukünftiges Bezahlen mit Facebook ein großes Thema! Außerdem spielt natürlich auch die Usability eine große Rolle, da es viel einfacher ist, einen Text in einem bekannten Programm zu schicken, als eine neue App oder Website "lernen" zu müssen. Chatbots arbeiten 24/7 und können so bestehende Kanäle ergänzen oder z.B. Callcenter gar ersetzen, was für Unternehmen zu Kosteneinsparungen führen kann.

Das Thema von Bots hängt dabei vom jeweiligen Fokus des Unternehmens ab. Bekannte Beispiele sind: ein Newsportal (CNN), ein Taxi-Service (Uber), ein Wettervorhersage-Bot (Poncho), ein Flugreservierungsystem (KLM) oder ein Onlineshop-Assistent (Zalando). In meinem Fall ist es ein Lokalempfehlungs-Bot. Das Besondere an Mica, the Hipster Cat ist, dass von verschiedenen Datenquellen weltweit Ergebnisse zusammengesammelt werden und die besten dem Userpräsentiert werden.

STANDARD: Glauben Sie, dass Chatbots Apps irgendwann überflüssig machen?

Ondrisek: Derzeit sind Chatbots noch etwas sehr Neues und viele Leute sind recht überrascht, wenn ich ihnen Mica vorstelle, weil man keine App installieren muss, sondern einfach drauflos schreiben kann. Es kann somit gut sein, dass Chatbots ein Game-Changer werden, wie damals die Einführung von Apps. Man denke nur an 2008, als Apple gerade den iOS App Store für iPhone vorgestellt hatte und so die Möglichkeit eröffnet hat, eigene Apps auf das iPhone zu laden. Damals wurden gerne mal 10 Millionen iPhones bis Ende 2008 verkauft.

Chatbots können so vielfältig wie deren Unternehmen sein, die sie unterstützen; ich denke da an Fashion-Shopping-Guides, Blumenbestell-Service, Rezepte-Vorschlagsassistenten, Fahrradrouten-Bots oder interaktive Essensbestellungen. Somit sehe ich derzeit Chatbots als zusätzlichen Kanal, um ein Produkt anzubieten und zu vermarkten. Zudem sind sie interaktiv, was eine interessante, aber natürliche User Experience bietet.

STANDARD: Chatbots sind ja gerade ein Trendthema …

Ondrisek: Es tut sich gerade sehr viel in diesem Bereich, denn gerade hat Google auf der Google I/O eine weitere innovativere Chat-Plattform Allo präsentiert. Es gibt ein paar Marktführer wie Facebook/WhatsApp (rund 1 Milliarde monatliche User) oder WeChat (über 700 Millionen Nutzer pro Monat), aber auch Neulinge wie Telegram, Kik oder SnapChat, die in den Marktdrängen, weil sie hier großes Potential erkennen. Das vor allem in China verbreitete WeChat ist im Vergleich zu anderen Chatprogrammen eher bereits ein eigenes Ökosystem, mit dem man z.B. auch zahlen kann, und wenn das Bezahlen auf Facebook Messenger weltweit unterstützt wird (derzeit nur USA), wird sich generell der Nutzen dieser Messaging Tools erweitern.

STANDARD: Mica ist der erste Chatbot aus Österreich?

Ondrisek: Mica, the Hipster Cat Bot ist der erste Bot aus Österreich, der auf der Facebook Messenger Plattform veröffentlicht wurde. Derzeit gibt es leider noch keine Übersicht bei Facebook selbst, allerdings gibt es einzelne Websiten wie z.B. botfamily.com, botlist.co oder botpages.com, wo Bots gelistet werden.

STANDARD: Auf welche Datenbank greift Mica zur Empfehlung der Lokale zurück?

Ondrisek: Um mit dem Chatbot eine Konversation zu beginnen, scannt man einfach den Code mit derMessenger-App oder schickt eine Nachricht an die Facebook Page. Das Großartige ist, dass dieSuche in allen Städten funktioniert und Lokale weltweit vorgeschlagen werden. Wer seine Location oder den Namen einer Stadt (z.b. "Wien") schickt, bekommt eine Auswahl der besten Cafés und Restaurants in der Nähe zurückgeschickt. Hier wird auf verschiedene öffentliche Quellen wie Foursquare, Yelp, Google Places und Facebook Places zugegriffen und nach bestimmtenMerkmalen gesucht.

STANDARD: Und wenn es keine Ergebnisse gibt?

Ondrisek: Findet Mica kein schickes Lokal in der näheren Umgebung, wird ein lustiges Katzenfoto oder eine interaktive Frage geschickt, um die Leute zu unterhalten. Mica ist auch höflich, denn sie antwortetentsprechend auf ein "Hello!", "Thank you" oder "Bye".

STANDARD: Wie oft wurde der Chatbot schon genutzt?

Ondrisek: Zwei Wochen nach dem Start wurden über 20.000 Nachrichten verschickt, rund 5.000 Lokale vorgeschlagen und knapp 1.500 lustige Katzenfotos gezeigt.

STANDARD: Sehen Sie eine Möglichkeit, um mit Chatbots irgendwann Geld zu verdienen?

Ondrisek: Mit Chatbots kann man genauso wie mit Webseiten oder Apps vom ersten Tag an Geld verdienen, vor allem wenn man für Reichweite sorgt. Zudem investieren nun viele große Unternehmen wie Google und Microsoft (Skype hat 300 Millionen aktive User pro Monat) in Bots, was dazu führen wird, dass große Services bald auch als Bots verfügbar sein werden – ich denke da vor allem an Online-Bestellsysteme für Kleidung, Bücher/Elektronik oder Essen, da hier die Industrie generell boomt.

Konkret bei Mica arbeite ich gerade daran, eine Skype-Version von Mica zu entwickeln, um mehr User zu erreichen, und zweitens weitere Empfehlungs-Plattformen wie TripAdvisor einzubinden, um mein Angebot zu erweitern und zu verbessern.

Das sind gerade sehr aufregende Zeiten, denn es fühlt sich ein wenig so an, eine der ersten Apps zu schreiben, als die App Stores noch leer waren. Ich kann nur jedem empfehlen, einfach die ersten Chatbots auszuprobieren und sich inspirieren zu lassen! (Birgit Riegler, 30.5.2016)

  • Den Chatbot Mica kann man nach interessanten Lokalen in der Umgebung fragen.
    screenshot: red

    Den Chatbot Mica kann man nach interessanten Lokalen in der Umgebung fragen.

  • Zwischendurch gibt's auch Katzenfotos.
    screenshot: barbara ondrisek

    Zwischendurch gibt's auch Katzenfotos.

  • Barbara Ondrisek arbeitet seit über 15 Jahren als Softwareentwicklerin, unter anderem als Freelancerin bei Web-Projekten wie dem Online-Banking-Angebot "George" der Erste Bank oder an ihren eigenen Apps wie "Like A Hipster" und "Hungry?".
    foto: barbara ondrisek

    Barbara Ondrisek arbeitet seit über 15 Jahren als Softwareentwicklerin, unter anderem als Freelancerin bei Web-Projekten wie dem Online-Banking-Angebot "George" der Erste Bank oder an ihren eigenen Apps wie "Like A Hipster" und "Hungry?".

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