Wahlkarten-Umschwung und Bezirksergebnisse seit 1951

Infografik24. Mai 2016, 13:39
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Wo die Briefwähler das Ergebnis gedreht haben und wie sich die politische Landschaft bei Bundespräsidentenwahlen seit 1951 entwickelt hat

Seit Montagnachmittag steht fest: Alexander Van der Bellen wird neuer Bundespräsident von Österreich. Er hat 50,3 Prozent der Stimmen erhalten. Noch nie war eine Bundespräsidentenwahl so knapp.

Briefwähler haben Umschwung gebracht

Verantwortlich für das Drehen des vorläufigen Endergebnisses vom Sonntag waren die Briefwähler. 61,7 Prozent der Briefwähler haben für den ehemaligen Grünen-Chef gestimmt.

Dargestellt wird pro Bezirk der Gewinner, die Farbschattierung wird jedoch unter einem Bezirksergebnis von 51 Prozent abgeschwächt und über einem Ergebnis von 60 Prozent verstärkt.

Dadurch hat Van der Bellen den freiheitlichen Kandidaten Norbert Hofer in den folgenden Bezirken als Sieger verdrängt:

  • Innsbruck-Land
  • Freistadt
  • Eisenstadt
  • Wiener Neustadt
  • Perg
  • Korneuburg

Viele andere Bezirke hat Van der Bellen zwar nicht so umgefärbt, konnte dort aber den Abstand zu seinem Kontrahenten deutlich verringern.

Politische Zeitenwende

Seit der ersten Bundespräsidentenwahl im Jahr 1951 haben Volkspartei und Sozialdemokratie das Match um das Präsidentenamt untereinander ausgemacht. Bis 1974 galt der Ausgleichsgedanke "Schwarzer Kanzler, roter Präsident" – mehr dazu hier.

In keinem Bezirk ist jemals ein Vertreter einer anderen Partei oder ein unabhängiger Kandidat als Sieger hervorgegangen – das hat sich mit den Ergebnissen der Stichwahl um 180 Grad gewendet. In dieser Animation sehen Sie die Ergebnisse der Bundespräsidentenwahlen seit 1951:

(Gerald Gartner, Markus Hametner, 24.5.2016)

Hintergrund: Zum Umgang mit den Daten

Alle in der Grafik angegebenen Prozentzahlen beziehen sich auf das vorläufige Endergebnis inklusive Briefwahlstimmen.

Warum diese verzerrten Grenzen?

Im Forum gab es Nachfragen, warum Bezirke in dieser Form dargestellt werden. Wir haben Kartogramme erstellt, die jedem Bezirk in etwa gleich viel Raum geben. Demnach werden Städte größer dargestellt, als sie eigentlich sind, und große Bezirke eben kleiner. Wir wollten Städte mehr hervorheben, weil dort mehr Stimmen vergeben werden. Wenn wir die Bezirksgrenzen gleich nach Wahlberechtigten verzerrt hätten, würde die Karte im Wesentlichen nur aus Wien bestehen. Deshalb dieser Kompromiss.

Hinweise zu den Daten

Die Daten ab dem Jahr 1998 wurden vom Innenministerium zur Verfügung gestellt. Die Wahldaten davor hat DER STANDARD aus den historischen Broschüren erhoben. Wir haben dabei größtmögliche Sorgfalt aufgewendet, können aber nicht ausschließen, dass uns beim Abtippen ein Fehler unterlaufen ist.

Unschärfen bei den Bezirksgrenzen

Oberösterreich: Die Statutarstadt Wels ist aus dem Bezirk Wels hervorgegangen. Die Statutarstadt wird vor diesem Jahr trotzdem eigenständig mit den Ergebnissen des Bezirks Wels ausgewiesen.

Vorarlberg: Der Bezirk Dornbirn wird in der Karte ebenfalls durchgehend angezeigt, obwohl es ihn vor 1969 als solchen nicht gegeben hat. Vor diesem Datum zeigt er die Ergebnisse des Bezirks Feldkirch, aus dem der Bezirk Dornbirn hervorgegangen ist.

Kärnten: Der Bezirk Feldkirchen ist 1982 aus Klagenfurt-Land hervorgegangen. Er wird auch vor diesem Tag angezeigt, obwohl es ihn nicht gegeben hat, und zeigt die Ergebnisse von Klagenfurt-Land.

Niederösterreich: Das Jahr 1951 hat manche Bezirke, die damals so noch nicht existierten: Wien-Umgebung und Mödling. Beide sind Wien entsprungen. Die dortigen Ergebnisse werden in den Bezirken eingeblendet. Lilienfeld wird aus dem Bezirk St. Pölten-Land herausgebildet. Außerdem ist die eingescannte historische Broschüre aus dem Jahr 1951 an jener Stelle unlesbar, an der die Bezirksergebnisse für Zwettl ausgewiesen werden. Deshalb wird in dem traditionell ÖVP wählenden Bezirk Heinrich Gleißner (ÖVP) als Wahlsieger angenommen.

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