Grün-pinkes Scharmützel nach Präsidentenwahl

24. Mai 2016, 12:09
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"Linke Mehrheit"-Tweet des Grünen Michel Reimon erzürnt Neos-Chef Matthias Strolz – Versöhnung zweier "Hitzköpfe"

Wien – Es war einmal ein Tweet, und der ging so: "50,3 Prozent. Österreich hat das erste Mal seit 6. Mai 1979 bei einer bundesweiten Wahl eine linke Mehrheit." Gezwitschert hat diese Zeilen der grüne EU-Abgeordnete Michel Reimon, nachdem Montagnachmittag feststand, dass Alexander Van der Bellen in einem Herzschlagfinale knapp, aber doch weit genug vor seinem FPÖ-Kontrahenten Norbert Hofer ins Ziel kam und daher der nächste Bundespräsident wird.

Van der Bellen, der ehemalige Bundessprecher der Grünen, ging formell als Unabhängiger in die Wahl, wurde aber hauptsächlich von den Grünen finanziell und logistisch unterstützt.

Dieser "Linke Mehrheit"-Tweet regte einen Mann schwer auf: Neos-Chef Matthias Strolz fühlte sich durch den Sager "verarscht", "benutzt" und "betrogen" und legte Wert auf folgende Klarstellung, die er unter dem Hashtag #NichtInMeinemNamen zusammenfasste.

Die Grünen hätten "nichts verstanden. Einfach nur dumpf!" Sie verspielten "schon am ersten Abend so ziemlich alles an jenem Vertrauen, das wir geben konnten", schrieb Strolz als Reaktion. Die Neos hätten im Wahlkampf das Antreten der unabhängigen Irmgard Griss "außerordentlich begrüßt", Van der Bellens Kandidatur aber "ebenfalls positiv" bewertet – jedoch keine offizielle Wahlempfehlung abgegeben.

Damit war das Spiel eröffnet. Reimon konterte mit einem langen Eintrag ebenfalls auf Facebook, beginnend mit den Sätzen: "Ich brenne für Politik. Aber Parteipolitik ist ein übles Geschäft." Er twittere gern und viel und auch "ironisch und sarkastisch", denn: "Ich mag das."

Mögen tun es vielleicht auch andere, nur ist das mit der Ironie meist so eine Sache – oft wird sie nicht erkannt. Sachdienliche Hinweisschilder sind also mitunter empfehlenswert.

Jedenfalls will Reimon die "linke Mehrheit" als ironische Bemerkung verstanden wissen. Er habe am Montag auch in vier Interviews gesagt, "dass VdBs Wahlerfolg kein grüner Erfolg ist, weil er von einer breiten Allianz gewählt wurde. Ich habe das gepostet. Egal, spielt keine Rolle."

Nun, im Internet spielt immer alles eine Rolle. Die Neos reagierten auf seinen Tweet, wiewohl er, Reimon, mehrfach klargestellt habe, "dass ich Saschas Wahlsieg NICHT als Beweis für eine linke Mehrheit sehe und nicht alle WählerInnen als Linke. Ich mein ... als ob man das klarstellen müsste. Da war am Anfang so ein Fremdschäm-Faktor dabei", schrieb Reimon. "Aber Parteipolitik ist eben ein dreckiges Geschäft, also habe ich reagieren müssen."

Das Gefühl, reagieren zu müssen, hatten offenbar mehrere. Also hat Reimon seinen Tweet "letztlich gelöscht, als klar war, dass sie ihn trotzdem kampagnisieren". Sie – die Neos. Und im Übrigen solle "Matt" beim nächsten Mal nicht auf "supernett und freundlich, haberermäßig, so mit Faust-auf-die-Brust-Klopfen" machen, denn das sei ein "falsches Spiel", schrieb Reimon: "Ich hab null Bock auf deinen Lopatka-Stil in Pink, Matthias Strolz. Ich find das ganz tief von dir persönlich."

Reimons Langfassung zu dem aufwühlenden Tweet im Original ist hier nachzulesen:

Strolz ließ dann noch wissen, was ihn besonders störe: "Hier verrät sich eine Haltung. Das ist das Problem."

Vielleicht wird das Problem aber schon bald gelöst. Denn da im Internet die Wogen oft so schnell hochgehen, wie sie sich auch wieder beruhigen, scheint Entwarnung angesagt. Jüngster Zwischenstand im grün-pinken Internetscharmützel:

Bleiben Sie dran, wir halten Sie auf dem Laufenden.

Update: Sollten Sie noch dran sein, es gibt Neuigkeiten: Reimon teilt auf seiner Facebook-Seite mit, dass er und Strolz sich "ausgesprochen" haben: "Mir war nicht bewusst, dass mein Posting verletzend war – ich hab mir das inzwischen aber von mehreren Menschen erklären lassen und verstehe es (hoffentlich). Das war mein Fehler, ich entschuldige mich. Das war das Allerletzte, was ich gestern wollte."

Als Erklärung für die kurzfristige Eruption in der Nachwahlfreude nennt Reimon: "Wir sind beide Hitzköpfe und machen alles, was wir tun, halt mit 300 Prozent." Und in trauter Einigkeit seien die beiden übereingekommen: "Sein Posting und meine Antwort sind beide viel zu scharf und heftig."

Immerhin, Reimon und Strolz haben jetzt die Telefonnummern ausgetauscht und wollen beim nächsten Mal auf die offene Bühne für solche Ereignisse verzichten.

Und so endet diese Geschichte mit Michels Reimons Worten: "Tschuldigung. Und wir wollen jetzt wieder VdB feiern!"

(nim, 24.5.2016)

  • Der Bolzenschneider im Bild hat nichts mit der grün-pinken Nachwahlauseinandersetzung zu tun. Den hatte der grüne EU-Abgeordnete Michel Reimon im Parlament im November 2015 mit, um zu illustrieren, dass er gegen Grenzzäune ist.
    foto: apa / herbert neubauer

    Der Bolzenschneider im Bild hat nichts mit der grün-pinken Nachwahlauseinandersetzung zu tun. Den hatte der grüne EU-Abgeordnete Michel Reimon im Parlament im November 2015 mit, um zu illustrieren, dass er gegen Grenzzäune ist.

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