Lass dich überraschen: Personalisierte Nachrichten als Zukunft des Journalismus

Blog24. Mai 2016, 15:35
14 Postings

Einen Algorithmus zu entwickeln, der sich deutlich von Facebook abhebt, wird für Anbieter wie Blendle eine gewaltige Herausforderung werden

Personalisierte Nachrichtenangebote sind die Zukunft des digitalen Journalismus, und die Vorlage dafür liefert Netflix. Das Online-Streaming-Portal hat ein ausgetüfteltes Empfehlungs- und Bewertungssystem entwickelt, um auf den Geschmack der Kunden besser einzugehen.

Marten Blankesteijn, einer der beiden Gründer des niederländischen Pay-per-Story-Diensts Blendle, setzt jedenfalls auf diese Karte: "Es geht darum, User wirklich zu verstehen und ihnen eine persönliche digitale Zeitung, einen persönlichen Newsletter oder sogar eine persönliche Webseite anzubieten." Doch gleichzeitig müsse man die User immer wieder überraschen, weil das ein wichtiger Aspekt von Zeitungen sei: "Etwas Neues zu lesen, das man vorher nicht wusste und für das man sich eigentlich nicht interessiert hat."

Das Prinzip der zuverlässigen Überraschung

Genau hier liegt der Haken. Früher haben die Aufgabe des Überraschens die Redaktionen selbst übernommen. Der deutsche Medienforscher Klaus Schönbach von der Western University in Katar nennt dies das "Prinzip der zuverlässigen Überraschung": "Leser legen Wert darauf, dass die Überraschung geordnet ist, kritisch beurteilt und gewichtet wird durch Leute, die davon etwas verstehen, die die überraschende Nachricht in einen Kontext einbetten, sachkundig erklären, begreifbar und greifbar machen."

Doch diesen Effekt über einen Algorithmus zu entwickeln, der sich deutlich von Facebook abhebt, wird für Anbieter wie Blendle eine gewaltige Herausforderung werden. (Gunther Müller, 24.5.2016)

Gunther Müller ist Mitarbeiter des fjum – Forum für Journalismus und Medien.

Hinweis

Marten Blankesteijn wird vom 15. bis 17. Juni im Rahmen des GEN-Summit in Wien zu Gast sein. Organisiert wird die Veranstaltung vom Global Editors Network gemeinsam mit fjum – Forum Journalismus und Medien.

Links

blendle.com

gensummit2016.org

Zum Thema

"Gegen Schubladen": GEN-Summit Mitte Juni in Wien – Rund 600 Chefredakteure aus mehr als 80 Ländern diskutieren in Wien über Medientrends

  • Bei Blendle können Nutzer Artikel aus Zeitungen und Magazinen online und einzeln kaufen, ohne die gesamte Ausgabe erwerben zu müssen.
    foto: ap

    Bei Blendle können Nutzer Artikel aus Zeitungen und Magazinen online und einzeln kaufen, ohne die gesamte Ausgabe erwerben zu müssen.

  • Die Blendle-Gründer Marten Blankesteijn (links) und Alexander Klöpping.

    Die Blendle-Gründer Marten Blankesteijn (links) und Alexander Klöpping.

Share if you care.