Neuer Ärger für Deutsche Bank in den USA

23. Mai 2016, 20:57
posten

Ermittlungen wegen Geschäfts mit festverzinslichen Anleihen

Frankfurt – Die Deutsche Bank hat in den USA neue Scherereien mit den Aufsichtsbehörden. Die US-Börsenaufsicht SEC ermittelt wegen des Verdachts, dass die Bank vor drei Jahren ihr Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren in den Bilanzen künstlich aufgebläht habe, wie die Nachrichtenagentur AFP am Montag in New York aus Insiderkreisen erfuhr.

Konkret geht die SEC den Angaben zufolge dem Verdacht nach, dass die Deutsche Bank gezielt Verluste im Jahr 2013 bei der Vermittlung von festverzinslichen Anleihen verschleiert hat, indem sie das Minus in einen späteren Zeitraum verlegte. Auf diese Weise seien möglicherweise in einer Zeit, in der dieses Geschäftsfeld immer schwieriger wurde, die dort erzielten Gewinne künstlich in die Höhe getrieben worden.

Verluste nicht eingeräumt

Eine Sprecherin der Deutschen Bank in den USA sagte, ihr Unternehmen kooperiere mit den SEC-Ermittlern. Die Behörde gehe möglichen Verlusten der Bank in bestimmten Geschäftsfeldern nach. Diese Verluste seien bisher von der Deutschen Bank aber nicht eingeräumt worden. Nach Informationen von AFP hat die Bank inzwischen ihre Kontrollmechanismen im Geschäftsfeld der festverzinslichen Wertpapiere verstärkt.

Die neuen Ermittlungen in den USA erschweren die Aufgabe des Unternehmenschefs John Cryan, der die skandalbelastete Vergangenheit der Deutschen Bank abschütteln will. Die Bank ist weltweit in 7.800 Rechtsstreitigkeiten verwickelt und hält zur Finanzierung von Prozesskosten aktuell 5,4 Milliarden Euro vor. Im vergangenen Jahr hatten die milliardenschweren Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten einen erheblichen Anteil daran, dass das Geldhaus einen Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro verbuchen musste.

Harter Deal

In den USA verpflichtete sich die Deutsche Bank im November dazu, wegen Missachtung der Sanktionen gegen Länder wie den Iran und Syrien eine Strafe von 258 Millionen Dollar (230 Millionen Euro) zu zahlen. Im Gegenzug stellten die US-Notenbank Federal Reserve und die New Yorker Finanzaufsicht DFS ihre Verfahren gegen die Bank ein.

Ein halbes Jahr zuvor hatten die britische und die US-Finanzaufsicht die Deutsche Bank wegen der Manipulation von Zinssätzen mit einer Rekordstrafe von mehr als 2,5 Milliarden Dollar belegt. (APA, 23.5.2016)

Share if you care.