Welche Rolle Jobs und die schwache Wirtschaft bei der Wahl spielten

24. Mai 2016, 07:00
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Wer auf einer höheren Schule war, blickt positiv in die Zukunft. Globalisierung und Migration machen anderen Angst

Geht's der Wirtschaft gut, geht's uns allen gut: So versuchte die Wirtschaftskammer vor einigen Jahren, Stimmung für die Unternehmen im Land zu machen. Auf die Kammer kam daraufhin viel Häme zu. In vielen Ländern geht die Schere zwischen Arm und Reich auf. Obwohl es der US-Wirtschaft zum Beispiel sehr gut geht, leben ärmere Menschen von der Hand in den Mund.

Die Präsidentschaftswahlen in Österreich zeigen aber, dass man vom Slogan durchaus etwas lernen kann: Man muss ihn nur auf den Kopf stellen. Geht's der Wirtschaft schlecht, geht's auch den meisten Menschen schlecht. Das legen zumindest die vergangenen Jahre in Österreich nahe. Seit vier Jahren wächst die Wirtschaft weniger als ein Prozent pro Jahr. Die Zahl der Arbeitslosen steigt seither stark an. Selbst wenn die meisten Menschen ihre Jobs behalten haben, sind viele verängstigt.

Hofer profitierte

Neben den Flüchtlingen hat das Thema den Wahlkampf dominiert, auch wenn der Präsident daran wenig ändern kann. Alexander Van der Bellen hat sich zwar jahrzehntelang auf der Universität mit Wirtschaft beschäftigt, von der ungünstigen ökonomischen Lage hat aber trotzdem eher Norbert Hofer profitiert, sagt der Politikwissenschafter Peter Filzmaier. Die schlechte Stimmung begünstige die FPÖ.

Es lohnt sich aber, einen genaueren Blick auf die Wirtschaftsdaten der einzelnen Regionen zu werfen, nicht überall ist die Situation die gleiche.

Am stärksten schnitt Hofer im Burgenland, in Kärnten und in der Steiermark ab. Und während alle Bundesländer seit der Finanzkrise 2008 mit niedrigeren Wachstumsraten leben müssen, sind sie in Kärnten besonders niedrig. Vor der Krise wuchs die Wirtschaft dort im Schnitt um vier Prozent, zuletzt waren es nur mehr 1,5 Prozent. In Steiermark ist der Einbruch weniger drastisch, aber auch dort hat sich das Wachstum halbiert.

Coca-Cola im Burgenland

Das Burgenland, die Heimat Hofers, ist ein Ausreißer und hat sich wirtschaftlich zuletzt sehr stark entwickelt. Das liegt daran, dass Coca-Cola seine Getränke jetzt nicht mehr in Wien, sondern in Edelstal abfüllt, sagt Daniela Grozea-Helmenstein vom Institut für Höhere Studien (IHS).

Die Länder, in denen Van der Bellen punkten konnte, sind wirtschaftlich in einer besseren Verfassung. Die Konjunkturlok in Vorarlberg, Tirol und Oberösterreich ist deutlich schneller unterwegs als in Restösterreich. In Wien schnitt Hofer unterdurchschnittlich ab, obwohl die Wirtschaft sich sehr mau entwickelt. Städte lassen sich aber kaum mit ländlichen Regionen vergleichen.

Auch bei den Arbeitslosen gilt dieselbe Korrelation, wenn man Wien wieder ausnimmt. Am interessantesten sind die Zahlen von Männern, unter denen 60 Prozent Hofer gewählt haben. In Kärnten sind zwölf Prozent, in Burgenland zehn und in der Steiermark neun Prozent der Männer arbeitslos. Überall schnitt Hofer gut ab. In Tirol sind sieben Prozent, in Oberösterreich und Vorarlberg sechs Prozent arbeitslos. Hier performte er unterdurchschnittlich.

Verdrängung im Osten

Im Burgenland kommt dazu, dass viele Ungarn über die Grenze kommen, um zu arbeiten. Bereits in Österreich lebende Menschen haben dadurch zusätzliche Konkurrenz am Arbeitsmarkt bekommen, vor allem in Gastronomie, Bau und Handel. Das passt zur Botschaft von Norbert Hofer.

Seit den Triumphen von Donald Trump wird in den USA heiß über den Konnex von Globalisierung, Migration und Politik diskutiert. In Regionen, wo viele Betriebe in Billiglohnländer gewandert sind, wählen die Menschen tendenziell extremer, zeigt eine Studie des Ökonomen David Autor. Für Österreich gibt es dazu noch keine Untersuchungen, aber Trends.

Potenzielle Modernisierungsverlierer

86 Prozent der Arbeiter haben Hofer gewählt, 81 Prozent der Akademiker Van der Bellen. Menschen mit Matura wählten links, jene mit Lehrabschluss rechts. "Dort wo die potenziellen Modernisierungsverlierer zu Hause sind, punktete Hofer", so Franz Schellhorn von der Denkfabrik Agenda Austria. "Die Abstiegsangst geht um. Viele fürchten, ihren Wohlstand nicht halten zu können."

Allgemeingültige Gesetze gibt es bei Wahlen aber nie. In Wien hat die Mehrheit der SPÖ-Wähler mit geringen Einkommen Van der Bellen gewählt, sagt Filzmaier. "Aber neben Geschlecht, Bildung und Alter macht das Einkommen definitiv einen Unterschied." (Andreas Sator, 24.5.2016)

  • IT-Innovationen krempeln die Jobwelt um. Wer davon zu profitieren glaubt, wählt tendenziell links.
    foto: robert newald

    IT-Innovationen krempeln die Jobwelt um. Wer davon zu profitieren glaubt, wählt tendenziell links.

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