Häftling in Grazer Gefängnis betrog Frauen über Internet-Plattform

23. Mai 2016, 16:09
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60-Jähriger gab sich als Chirurg und Flüchtlingshelfer aus und erpresste Opfer mit Nacktfotos

Ein 60 Jahre alter Insasse der Grazer Justizstrafanstalt Karlau hat über eine Internetplattform Kontakte zu mehreren Frauen geknüpft, sich als Chirurg und Flüchtlingshelfer ausgegeben und so mindestens 30.000 Euro erlangt. Andere Opfer erpresste er mit Nacktfotos, die diese ihm geschickt hatten, wie die Landespolizeidirektion Steiermark mitteilte. Eine Frau wandte sich schließlich an die Polizei.

Mehrere Handynummern

Der Wiener hatte sich im Zeitraum von Anfang Oktober 2014 bis Anfang April 2016 über ein oder mehrere Mobiltelefonnummern – die Handys dürfte er eigentlich nicht besitzen – auf einer Internet-Kontaktplattform eingeloggt und so den ersten Kontakt zu seinen späteren Opfern hergestellt. Gesamt handle es sich um über 20 Frauen in ganz Österreich und auch Deutschland, im Alter zwischen 19 und 50 Jahren, so ein Ermittler zur APA. Bei weiteren Kontakten – entweder per Nachrichten-App oder telefonisch – gab sich der Mann als Gefäß-, Neuro-, Kinder- oder Herzchirurg aus. Er gab an, dass er Operationen in Wien, Graz und Salzburg durchführe und von einer gut situierten jüdischen Familie abstamme. Seine Frau sei bei der Geburt seiner Tochter verstorben und er nunmehr alleinerziehender Vater von zwei Kindern, drückte er auf die Tränendüse.

Nahezu allen Opfern unterbreitete er auch, dass er sich mit "Ärzte ohne Grenzen" in das Kriegsgebiet von Syrien und den Irak begeben müsse, um dort medizinische Hilfe zu leisten. Nachdem er das Vertrauen der Frauen erschlichen hatte, brachte er sie soweit, Gelder auf von ihm bekannt gegebene Konten zu überweisen oder gleich bar zu überweisen. Als Verwendungszweck gab er an, damit Schlepper im Kriegsgebiet bezahlen oder medizinisches Material ankaufen zu wollen.

Die meisten Frauen ließen sich auch dazu animieren, Lebensmittel und Bekleidung zu besorgen und diese an andere seiner Opfer weiterzugeben. Diese hatte er gegenüber den Spenderinnen als Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen", als sein Kindermädchen, seine Schwester oder seine Haushälterin bezeichnet.

Nacktfotos verschickt

Einige der Opfer ließen sich von dem Verdächtigen sogar dazu bringen, ihm per App Nacktfotos von sich zu übermitteln, nachdem auch er ihnen Nacktfotos von sich übermittelt hatte, die aber laut Polizei "mit Sicherheit nicht seinen Körper darstellten". Die Fotos der Frauen verwendete er dann als Druckmittel. Er drohte – sollten die Frauen den Kontakt zu ihm abbrechen oder mit anderen darüber reden – die Bilder samt Handynummer auf "sämtlichen Pornoseiten im Internet" zu veröffentlichen.

Zu einem seiner Opfer entwickelte der 60-Jährige eine derartige Zuneigung, dass es zu einer beharrlichen Verfolgung ausartete, sagte der Ermittler. Der Wiener sandte der Frau unentwegt handgeschriebene Briefe, E-Mails und andere Nachrichten. In der nächsten Umgebung der Wohnadresse des Opfers wurden obendrein von einer bis dato unbekannten Person Plakate mit Liebesbezeugungen angebracht. Der Frau wurden auch Lebensmittel und Bekleidung zugestellt, sodass sie sich einer ständigen Überwachung ausgesetzt sah.

Aus dem Wiener war bisher nichts rauszukriegen, sagte ein Kriminalist: "Er verweigert das Gespräch, ich bin ihm zu minderwertig", sei das Argument des Häftlings gewesen. Die Polizei bittet mögliche weitere Betroffene, sich an den Dauerdienst des Landeskriminalamtes unter der Telefonnummer 059133 60 3333 zu wenden. (APA, 23.5.2016)

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