Die Kunst, ein Massenbier zu brauen

Kolumne2. Juni 2016, 11:26
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Bei aller Liebe zum speziellen Bier: Es gibt keinen Grund, die Massenware zu verachten

Unter den Brauwissenschaftern gibt es wenige, deren Ruhm über den engen akademischen Kreis und den nicht viel größeren Kreis der Braumeister hinausreicht. Professor Ludwig Narziß ist eines dieser raren Beispiele aus dem deutschen Sprachraum; Professor Charlie Bamforth darf sich eines ähnlichen Rufs im englischen Sprachraum erfreuen. Beide Herren verbindet die Lust an der Verbreitung von Bierwissen (auch wenn sie in einigen technologischen Fragen weit auseinander sind).

Und beide versuchen, gerade auch Journalisten zu seriöserer Berichterstattung über Bier zu ermuntern. Bei einem Seminar der North American Guild of Beer Writers hat es Bamforth klar angesprochen: Journalisten, die bei einer Brauerei Craft-Bier kennengelernt haben, glauben allzu oft, mit einer Handvoll Referenzbieren aus dieser Brauerei einen globalen Überblick zu haben.

Und das Recht, alles zu verachten, was nicht Craft-Bier ist – "aber Millionen Menschen trinken das, was ihr 'yellow watery fizzy stuff' nennt; ohne dass sie deswegen schlechte Menschen wären", erklärte der Professor aus dem kalifornischen Davis.

Er kennt das von seinen Studenten: Zum Studienabschluss wollten die alle "aufregende" Biere brauen – aber keiner traue sich an etwas so Geschmacksarmes wie Michelob Ultra heran. Weil so etwas eben am schwersten zu brauen ist. (Conrad Seidl, RONDO, 2.6.2016)

  • Millionen Menschen trinken "yellow watery fizzy stuff".
    foto: apa/dpa/gebert

    Millionen Menschen trinken "yellow watery fizzy stuff".

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