Wahlabend der Ratlosigkeit auf ORF 2: Wein und Extremismus

23. Mai 2016, 13:42
7 Postings

Der Präsidentenwahlkampf schien auch nach der Wahl weiterzugehen

Schließlich wurde es ein Abend der angespannten Ratlosigkeit: Bei den FPÖ-Granden, die zunächst (mit "Österreich"-Taferln bewaffnet) den Namen der Republik annähernd fehlerfrei herausbrüllten, wurde es stiller. Siegeserwartung wich der Zukunftssorge, Norbert Hofer suchte den seinen die Möglichkeit einer Niederlage nahezubringen. Alexander Van der Bellen hingegen wirkte überrascht, seine Aufholarbeit bis zum Patt erledigt zu haben.

Es wurde aber auch ein Abend, an dem "Im Zentrum" ein entfesselter Apologet der FPÖ zu entdecken war. Norbert Steger – einst durch Jörg Haider vom Parteithron katapultiert – schien den bissigen Herbert Kickl in sich entdeckt zu haben. Steger beanspruchte dreifache Redezeit, da er sich von drei Kontrahenten umgeben sah. Franz Fischler (einst ÖVP-Minister), Monika Langthaler (einst Grüne) und selbst der SPÖler Karl Blecha, der schon einiges erlebt hat, kamen aus dem Kopfschütteln nicht wirklich heraus.

Klar ließ sie Steger im Notfall ausreden. Übermächtig schien aber sein Drang, FPÖ und Hofer zu besingen, wobei seine Werbearien auf Lebenserfahrung fußten: "Menschen, die aus einer Gegend kommen, wo man Wein trinkt, sind keine Extremisten", schnurrte Steger, um danach offensiv einer gelassenen Diskussion über Grundsätzliches im Wege zu sein.

Fischler nannte dies – recht verärgert – "Kampfrhetorik", und Langthaler gab es schließlich auf, von Steger eine ernsthafte Antwort auf punktgenaue Fragen zu erwarten. Es schien der Präsidentschaftswahlkampf also auch nach der Wahl weiterzugehen; nach und nach verschwand das Thema des Abends, das Patt, auf Nimmerwiedersehen. Seltsam. (Ljubiša Tošić, 23.5.2016)

Link zur ORF-TVthek
"Im Zentrum" zum Nachschauen

  • Kopf-an-Kopf-Rennen den ganzen Abend lang.
    foto: screenshot / orf tvthek

    Kopf-an-Kopf-Rennen den ganzen Abend lang.

Share if you care.