Hofer-Recherche: FPÖ-Stiftungsrat Steger lässt Unterstützung für Wrabetz offen

24. Mai 2016, 15:03
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Nach Israel-Bericht verlangte Steger eine Stellungnahme von Wrabetz

Wien – Mehr habe er sich nicht erwartet, sagt FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger, zum STANDARD, auf die Frage, ob die Antwort von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zufriedenstellend ausgefallen sei. Immerhin hatte Steger gedroht, Wrabetz die Unterstützung zu entziehen, was insofern brisant ist, weil sich der amtierende ORF-Chef einer Mehrheit im Stiftungsrat bei der ORF-Wahl am 9. August nicht sicher sein kann (siehe Grafik).

Ob er Wrabetz nun wählen werde, lässt Steger offen: "Ich lege mich noch nicht fest. Und kenne auch das gesamte Programm noch nicht." Steger hatte vorige Woche – wie berichtet – per Mail mit Konsequenzen gedroht, dass die ORF-Berichterstattung zu einem schon länger zurückliegenden Israel-Besuch von FPÖ-Hofburg-Kandidat Norbert Hofer indirekt Einfluss auf die Wahl zum Generaldirektor haben werde.

Von Wrabetz verlangte der FPÖ-Stiftungsrat Freitag am Vormittag eine persönliche Stellungnahme und Entschuldigung, junktimiert mit: "Bis Freitag 15 Uhr." Weiter schrieb Steger: "Sollte diese Stellungnahme gar nicht oder nicht zufriedenstellend erfolgen, kann ich Sie – mit ehrlichem Bedauern – nicht mehr unterstützen."

"Auftragsmanipulation"

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hatte bereits am Donnerstag nach der ORF-Konfrontation der beiden Bundespräsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer angekündigt, dass er Steger kontaktiert habe, um die "Rot-grüne Auftragsmanipulation", so Strache später, zu thematisieren. Stegers Mail an ORF-Generaldirektor Wrabetz veröffentlichte er ebenso auf seiner Facebook-Seite wie später die Antwort von Wrabetz.

Der Israel-Bericht in der ORF-Sendung "Das Duell" am Donnerstag sei ein "schwerer Verstoß gegen alle Spielregeln" gewesen, sagt Steger zum STANDARD. Zuvor schrieb er an Wrabetz, dass er in seinem gesamten Leben "noch nie eine so üble Manipulation" erlebt habe. Der ORF selbst zeigte in der "ZiB 1" am Freitag eine Nachbetrachtung zum TV-Duell und räumte ein, dass er keine Kenntnisse von dem "ähnlichen Vorfall" hatte.

Sollten die Freiheitlichen nach der nächsten Wahl über eine Koalition verhandeln, werde eine Änderung des ORF-Gesetzes Bedingung für eine Zusammenarbeit sein, sagt Steger. Er möchte dann beispielsweise eine "Gesamtvorstandsverantwortung" statt eines ORF-Alleingeschäftsführers und eine Neudefinition des öffentlich-rechtlichen Programmauftrags.

Ungereimtheiten wegen Israel-Reise

Hintergrund der Diskussion ist eine Israel-Reise Hofers im Jahr 2014 und die Darstellung eines dort von ihm erlebten Vorfalls. Konkret behauptete er mehrmals, Zeuge eines Terror-Anschlags gewesen zu sein, bei dem eine bewaffnete Frau getötet worden sei. Zur "Presse" sagt er im März: "Als ich auf dem Tempelberg war, ist zehn Meter neben mir eine Frau erschossen worden, weil sie versucht hat, mit Handgranaten und Maschinenpistolen betende Menschen zu töten."

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Der ORF setzt darauf zur Recherche an und ließ im Rahmen des TV-Duells der Hofburg-Anwärter in einem Beitrag einen israelischen Polizeisprecher auftreten, der erklärte, solch einen Vorfall habe es an besagtem Tag nicht gegeben. Wenig später stellte sich heraus, dass doch bei einer Schießerei mit Sicherheitsbehörden eine Frau getroffen worden sei. Allerdings war die jüdische Israelin, die laut Medien-Berichten Mitglied einer radikalen Sekte ist, nicht bewaffnet und hat auch leicht verletzt überlebt. (omark, 24.5.2016)

  • ORF-Stiftungsrat Norbert Steger, hier bei seiner Feier zum 70. Geburtstag im Jahr 2014.
    foto: apa/pfarrhofer

    ORF-Stiftungsrat Norbert Steger, hier bei seiner Feier zum 70. Geburtstag im Jahr 2014.

  • Mitglieder des ORF-Stiftungsrats.
    grafik: apa

    Mitglieder des ORF-Stiftungsrats.

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