Bundespräsidentenwahl: Wo die Risse in den Großstädten verlaufen

Infografik25. Mai 2016, 09:49
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Wie sich das Wahlverhalten von Grätzel zu Grätzel in Wien, Graz, Salzburg, Innsbruck und Linz unterscheidet

Alle neun Landeshauptstädte sind in der Hand von Alexander Van der Bellen. Der Stimmenanteil des designierten Bundespräsidenten liegt zwischen 50 und 64 Prozent. In Salzburg, Graz, Innsbruck, Linz und Wien pendelte der Stimmenanteil vor Auszählung der Wahlkarten zwischen 64 und 50 Prozent.

In den fünf größten Städte Österreichs – Salzburg, Graz, Innsbruck, Linz und Wien – lassen sich die Wahlergebnisse auf einer höheren Detailebene betrachten, nämlich auf Ebene der Wahlsprengel. Dabei wird ersichtlich, dass innerhalb der Städte Bruchlinien im Wahlverhalten verlaufen.

Wien: Simmering als Ausreißer

  • In 22 von 23 Wiener Bezirken hat Alexander Van der Bellen eine absolute Mehrheit.
  • Nur in Simmering musste er sich Norbert Hofer geschlagen geben. Auch in Floridsdorf, das am Sonntag noch hellblau war, siegte nach der Auszählung der Briefwählerstimmen Van der Bellen knapp.
  • Simmering war schon im ersten Wahlgang eine von Hofers Wiener Hochburgen. Vor vier Wochen hat der FPÖ-Kandidat dort 41 Prozent der Stimmen erhalten. Vier Wochen später waren es 50,3 Prozent der Stimmen (inklusive Briefwahl).
  • Seine absolute Hochburg hat Norbert Hofer in einem Wohnheim in Ottakring (Possingergasse/Koppstraße), in dem vorwiegend Polizisten leben. Von den 226 abgegebenen Stimmen hat der FPÖ-Kandidat 78 Prozent erhalten.
  • Das stärkste Bezirksergebnis in Wien hat Van der Bellen in Neubau eingefahren. Dort haben vier von fünf Wählern für ihn gestimmt.
  • Das stärkste Grätzelergebnis hat Van der Bellen im Karmeliterviertel erreicht, dort hat er 87 Prozent der Stimmen erhalten.
  • Auch in den Grätzeln rund um die U-Bahn-Stationen Praterstern und Thaliastraße konnte Norbert Hofer keine Mehrheit erzielen. Beide Zonen waren zuletzt wegen Vergewaltigungen und Drogenhandel in den Schlagzeilen. In keinem der angrenzenden Wahllokale hat Van der Bellen weniger als 67 Prozent der Stimmen erhalten.

Wichtig: In den auf der Karte dargestellten Ergebnissen sind Briefwähler nicht enthalten. Diese werden nur Bezirken zugeordnet, nicht den einzelnen Wahlsprengeln. Damit der Einfluss der Wählergruppe, die das Ergebnis gedreht hat, abzuschätzen ist, hier das Wien-Ergebnis vor und nach Auszählung der Briefwahlstimmen.

Salzburg: Weniger Unterstützung für Van der Bellen im Norden

  • Die Landeshauptstadt Salzburg ist der einzige Bezirk im Bundesland, der mehrheitlich für Van der Bellen gestimmt hat. Er hat insgesamt 56,5 Prozent der Wahllokal-Wähler von sich überzeugen können.
  • Nördlich des Messezentrums ist die Unterstützung für den Ex-Grünen-Chef tendenziell niedriger.
  • Im Stadtteil Lehen fuhr er sein schwächstes Sprengelergebnis in Salzburg ein. Im Wahllokal "Kindergarten Scherzhausen" haben 66 Prozent für Norbert Hofer gestimmt.
  • Die meisten Van-der-Bellen-Wähler gibt es im Wahlsprengel am Kapuzinerberg, dort hat er 81 Prozent der Stimmen erhalten.

Der Vorher-nachher-Vergleich des Wahlergebnisses ohne und mit Briefwählern in Salzburg:

Linz: Nur zwei Bezirke nicht eindeutig in der Hand von Van der Bellen

Für Linz sind Visualisierungen auf Ebene der Wahlsprengel nicht möglich. Die Aufteilung ist historisch so gewachsen, dass manche Wahlsprengel keine zusammenhängende Grenze haben, sondern über die Stadt verteilt sind. An der Behebung wird, so heißt es im Magistrat, gearbeitet. Gezeigt werden kann aber die Aufteilung der Stimmen in den Bezirken innerhalb von Linz.

  • Insgesamt hat Alexander Van der Bellen in Linz 62,8 Prozent der Stimmen erhalten.
  • Die Bezirke Neue Heimat und das Franckviertel hat Norbert Hofer für sich gewonnen.
  • In den 13 verbleibenden Bezirken hat Van der Bellen gewonnen.
  • Am deutlichsten war sein Sieg in der Innenstadt, dort hat er 74 Prozent der Wähler überzeugt.

Der Vorher-nachher-Vergleich des Wahlergebnisses ohne und mit Briefwählern in Linz:

Innsbruck: Im östlichen Stadtteil weniger Unterstützung für Van der Bellen

Mit 63,1 Prozent hat der Kaunertaler in der Stadt Innsbruck eines seiner besten Ergebnisse in einer Landeshauptstadt eingefahren.

  • Am deutlichsten ist der Vorsprung auf seinen Gegner Norbert Hofer in der Innenstadt: Im Sprengel 21 an der Museumsstraße hat Van der Bellen 86 Prozent der Stimmen erhalten.
  • Am schwächsten hat der Ex-Grünen-Chef im östlichen Teil der Stadt abgeschnitten: Im Wahlsprengel an der New-Orleans-Brücke haben 72 Prozent für Hofer gestimmt.

Der Vorher-nachher-Vergleich des Wahlergebnisses ohne und mit Briefwählern in Innsbruck:

Graz: Van der Bellen am Ostufer der Mur stärker

In Graz hat der designierte Bundespräsident sein bestes Ergebnis in einer Landeshauptstadt erreicht: 64,4 Prozent aller Wähler haben Van der Bellen ihre Stimme gegeben.

  • Am Ostufer ist die Dominanz am stärksten: Rund um die Innere Stadt hat Van der Bellen drei von vier Wählerstimmen erhalten. Am besten hat der designierte Bundespräsident im Wahllokal 208 abgeschnitten. 84 Prozent der Urnenwähler im Bezirk St. Leonhard um die Herz-Jesu-Kirchen haben ihm dort ihre Stimme gegeben.
  • Am Westufer gibt es einen Bezirk, in dem Norbert Hofer gewonnen hat: Puntigam. Der freiheitliche Kandidat hat dort 54 Prozent erhalten. Am besten hat Hofer im Wahllokal 517 abgeschnitten: Im Sprengel rund um die Justizanstalt Graz-Karlau hat er 73 Prozent erreicht.

Der Vorher-nachher-Vergleich des Wahlergebnisses ohne und mit Briefwählern in Graz:

Update: Danke User sandgassenhero für den freundlichen Hinweis auf Fehler bei den Ortsbezeichnungen in Graz. Es heißt natürlich St. Leonhard, nicht St. Leonhardt. Und wo wir am Grazer Ostufer einen Museumsplatz gefunden haben erschließt sich uns am Tag danach auch nicht mehr.

(Gerald Gartner, Markus Hametner, 25.5.2016)

Warum nur fünf Landeshauptstädte?

Wir hätten gerne jeden Wahlsprengel in den Landeshauptstädten visualisiert. Leider sind in den kleineren Städten – St. Pölten, Eisenstadt, Bregenz, Klagenfurt – keine Geodaten der Sprengel verfügbar. Diese wären notwendig, um die Daten auf einer Karte darstellen zu können.

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