Neun Kinder sterben jedes Jahr im Straßenverkehr

23. Mai 2016, 13:06
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Familienministerium und Kuratorium für Verkehrssicherheit wollen Änderungen in der Straßenverkehrsordnung und bessere Bildung für Kinder und Eltern

Wien – 2.900 Kinder im Alter zwischen null und 14 Jahren verunglücken durchschnittlich jedes Jahr im österreichischen Straßenverkehr. Mehr als 300 werden dabei schwer verletzt, neun sterben an den Folgen dieser Unfälle: Diese Daten präsentierte das Kuratorium für Verkehrssicherheit am Montag. "Wenn alle drei Minuten ein Kind in Österreich verunglückt, sind das alarmierende Zahlen, die wir verringern müssen", sagte Familienministerin Sophie Karmasin. "Jedes Kind, das verunglückt, ist eines zu viel."

EU-weit liegt Österreich in der Statistik zur geringsten Zahl toter Kinder im Straßenverkehr nur auf Platz acht. "Schweden ist hier eindeutig Vorreiter, im Gegensatz zu Österreich", sagt Karmasin. Jetzt sollen neue Schritte erfolgen, um die Zahl der Unfälle von Kindern zu senken. In Kindergärten und Kinderkrippen soll die Entwicklung motorischer Fähigkeiten besser gefördert werden. "Bewegungskompetenzen sind für Kinder eine wichtige Möglichkeit, um Unfälle zu vermeiden oder die Schwere der Verletzungen so klein wie möglich zu halten", so Karmasin. So sollen Kinder früher lernen, wie sie sich im Fall eines Sturzes abstützen und abfangen können, und ebenso die Konsequenzen bestimmter Bewegungsabläufe. Aber nicht nur bei den Kindern will Karmasin ansetzen. Wichtig sei, dass auch die Eltern Bildung in Verkehrserziehung und Unfallprävention bekommen.

Überholte Gesetze

Gemeinsam mit dem Infrastrukturministerium soll zudem ein Plan erarbeitet werden, welche Regelungen in der Straßenverkehrsordnung veraltet sind und ausgetauscht werden sollen. Denn derzeit dürfen rein rechtlich Roller und Kinderfahrräder nicht auf dem Gehsteig benutzt werden. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, hält das für nicht sinnvoll. "Wir müssen es ermöglichen, dass Kinder auch legal zur Schule oder ähnliche Wege auf dem Gehsteig fahren können." Die Straßenverkehrsordnung aus dem Jahr 1959 würde neue Fahrzeuge nicht genügend berücksichtigen, hier gebe es eine "Überreglementierung". Thann wünscht sich daher die Abschaffung der Regelung. Denn Kinder würden ob der geringen Geschwindigkeit auf Laufrädern und Rollern keine Gefahrenquelle darstellen. "Sie sind keine Täter oder Verursacher eines Unfalls, sondern zumeist nur die Opfer."

Drei Prozent der verunfallten Kinder werden als Benutzer von Skateboards, Rollern oder Rollerskates verletzt, weitere 27 Prozent als Radfahrer und 36 Prozent als Fußgänger.

Verletzungen häufig als Beifahrer der Eltern

Der Großteil der Kinder wird jedoch Unfallopfer als Beifahrer mit Eltern oder anderen Verwandten, wie Thann betont. "Viele überschätzen Kinder im Straßenverkehr, sie werden als kleine Erwachsene angesehen, sind es aber nicht." Gleichzeitig würden sich auch Autofahrer selbst überschätzen. "Wir glauben, dass wir rechtzeitig anhalten können und daher entsprechende Geschwindigkeiten auch fahren."

Eine Untersuchung des Kuratoriums zeige, dass in Tempo-30-Zonen vor Schulen 74 Prozent der Lenker die Geschwindigkeit überschreiten. Bei Tempo-50-Zonen würden das 58 Prozent tun. "Das ist keine Bagatelle", sagt Thann. Bei einer Kollision zwischen Kind und Auto, das mit 50 km/h unterwegs ist, bestehe eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass das Kind stirbt. Ab 60 km/h sei ein Zusammenstoß fast immer tödlich. (Oona Kroisleitner, 23.5.2016)

  • Der richtige Umgang mit dem Straßenverkehr soll, geht es nach Familienministerin Sophie Karmasin, in der Kinderkrippe und im Kindergarten besser vermittelt werden.
    foto: apa/dpa

    Der richtige Umgang mit dem Straßenverkehr soll, geht es nach Familienministerin Sophie Karmasin, in der Kinderkrippe und im Kindergarten besser vermittelt werden.

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    foto: apa/georg hochmuth
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