Top-Beamter wird selbst Whistleblower, gibt Snowden Recht

23. Mai 2016, 11:03
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John Crane arbeitete jahrelang im Büro des US-Generalinspektors, er kritisiert jetzt das System scharf

Nicht nur juristisch drohen NSA-Whistleblower Edward Snowden wegen seines Datenleaks drastische Konsequenzen. Auch politisch schießen sich Abgeordnete, Regierungsmitglieder und Präsidentschaftskandidaten beider Lager auf ihn ein. Er hätte den offiziellen Weg wählen und sich intern beschweren sollen, sagte etwa die Demokratin Hillary Clinton. Snowden hatte stets bestritten, dass dies ein gangbarer Weg gewesen wäre. Zwar existieren interne Strukturen für Whistleblower, doch diese würden nicht funktionieren und die Beschwerdeführer in Gefahr bringen.

Fehler im System

Jetzt bekommt Snowden Recht – und zwar von oberster Stelle. In ausführlichen Gesprächen mit Spiegel und Guardian hat sich John Crane, der im Büro des Generalinspektors des Verteidigungsministeriums gearbeitet hat, über Fehler im System geäußert. Er fungierte als "Bindeglied" zwischen Legislative und Verteidigungsministerium und nahm interne Beschwerden entgegen. Jetzt wurde der Whistleblower-Betreuer selbst zum Whistleblower.

Namen an Justiz weitergegeben

Er denkt, dass die Whistleblower-Stelle im Verteidigungsministerium die Namen von Beschwerdeführern an das Justizministerium weitergeleitet hat. Konkret beschleicht ihn dieser Verdacht im Fall des NSA-Managers Thomas Drake, der vor anhaltsloser Massenüberwachung gewarnt hatte. Gegen Drake liefern später Ermittlungen, er bekam eine Geldstrafe und wurde entlassen. "Snowden hat den Fall Drake gesehen", zitiert der Spiegel John Crane. Wäre Drake besser behandelt worden, hätte Snowden vielleicht den internen Weg gewählt. Eine Untersuchung widmet sich nun den Vorwürfen, die Crane in einem Buch äußert. (red, 23.5.2016)

  • Snowden hatte wohl keine Chance, für seine Beschwerde interne Wege zu nutzen
    foto: ap/linderman

    Snowden hatte wohl keine Chance, für seine Beschwerde interne Wege zu nutzen

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