Die Muskeln spielen lassen: Sixpack statt Size Zero

Kolumne25. Mai 2016, 12:00
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Stark zu sein sei das neue Sexy, behaupten Fitness-Jüngerinnen in den sozialen Netzwerken. Ob das die Alternative zum Magerideal der Modemagazine ist?

Er ist nicht zu überhören: Der Schlachtruf "Strong ist the new skinny" schallt seit einiger Zeit vielstimmig durch die sozialen Netzwerke. Und ist ein Riesengeschäft. Mit dem Mantra vieler junger Frauen werden T-Shirts bedruckt und Bücher verkauft, auf Instagram zählt das Hashtag #strongisthenewskinny knapp 900.000, das Hashtag #fitspiration über sieben Millionen Einträge.

Frauen präsentieren da muskelbepackte Oberarme und gestählte Bäuche, sie hängen atemlos an elastischen Bändern und posieren auf Fitness-Matten, sie fotografieren bunte Obstteller und dokumentieren jede Schweißperle in Nahaufnahme. Die Fitness-Bewegung, die den gnadenlos straffen Körper zelebriert, hantiert mit Formeln, die gerade schwer in Mode sind: "Werde fit, werde stark, werde selbstbewusst". Das klingt erst einmal gar nicht so schlecht, emanzipiert sich diese Social Media- Bewegung doch von dem mageren und schlappen Körperideal, das in Modemagazinen gemeinhin propagiert wird.

Small, yes...... but strong, confident, happy and healthy 👍☺️☺️ www.kaylaitsines.com/app

Ein von Kayla Itsines (@kayla_itsines) gepostetes Foto am

Schnell aber offenbart sich das Fitness-Credo als beinhartes Selbstoptimierungsprogramm. Nach wie vor geht es um den perfekten Bikini-Körper, nur soll der jetzt nicht dünn, sondern muskulös aussehen. Zu verdanken ist die Fitness-Welle der letzten Jahre Frauen wie Jennifer Cohen oder Kayla Itsines. Ihr Erfolgsrezept? Statt dem muskelbepackten Bodybuilderinnen-Ideal kommt ihr Auftritt dem des unkomplizierten All-American-Girl nahe. Kayla Itsines hat es so mit Pferdeschwanz und straffer Mädchenfigur zu einem millionenschweren Social Media-Star gebracht, auf Instagram folgen ihr mittlerweile rund 5,1 Millionen Fans. Die australische Trainerin wirbt auf ihrer Website damit, ihre Anhängerinnen mal wieder ordentlich ins Schwitzen kommen zu lassen, ihr E-Book soll mit der Anleitung zum Schwitzen bislang rund 47 Millionen Euro Umsatz gemacht haben.

kayla itsines

Itsines Unternehmen "Bikini Body Training Company" erscheint wie eine Kreuzung aus Weight Watchers und Scientology: Die Fans bezeichnen sich selbst als #Kaylaarmy, sie zelebrieren Workouts und Cardio-Übungen ihres Gurus, auf ihrem Teller landet ausschließlich das, was Kayla Itsines Ernährungsplan vorsieht. Und das soll vor allem #clean sein. Dass die Fitness-Bewegung im Internet so erfolgreich wurde? Verwundert nicht, hier kann die fortgeschrittene Körperstraffung unendlich oft wiedergespiegelt werden.

Wer sich davon noch immer nicht abgeschreckt fühlt, kann übrigens jetzt zu einem Buch greifen, das gerade in deutscher Übersetzung erschienen ist. Es heißt: "Stark ist das neue Sexy." Der Untertitel verrät immerhin, worum es wirklich geht: "Das Trainingsbuch für einen knackigen Po, straffe Kurven und eine tolle Figur." Es wird Zeit für neue Ratgeberliteratur: Warum ein schlapper, undisziplinierter Körper auch sexy ist. Oder so. (Anne Feldkamp, 25.5.2016)

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