62 Milliarden Dollar: Aktionäre strafen Bayer für Monsanto-Angebot ab

23. Mai 2016, 10:11
158 Postings

Der deutsche Pharmariese will 122 Dollar pro Aktie zahlen, um den US-Saatgutkonzern übernehmen zu können

Frankfurt – Der deutsche Pharmariese Bayer und der US-Saatgutkonzern Monsanto haben am Donnerstag erste Gespräche bestätigt, jetzt hat Bayer bekanntgegeben, was ihm die Sache wert wäre: Der Chemie- und Pharmakonzern will insgesamt 62 Milliarden Dollar (55 Milliarden Euro) für Monsanto aufwenden. Pro Monsanto-Aktie wolle man 122 US-Dollar zahlen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Das sei eine erhebliche Prämie für die Monsanto-Aktionäre und entspreche einem Aufschlag von 37 Prozent auf den Schlusskurs der Monsanto-Aktie vor zwei Wochen.

Die Aktionäre waren von dem Angebot zunächst allerdings wenig überzeugt: Die Aktie sackte am Montag um bis zu 3,6 Prozent auf ein Zweieinhalbjahrestief von 86,30 Euro ab. "Das Angebot ist ziemlich hoch, wenn man bedenkt, dass das der erste Versuch ist", kommentierte ein Aktienhändler das Bayer-Offert.

"Wir befinden uns in konstruktiven Gesprächen mit Monsanto", sagte der neue Bayer-Chef Werner Baumann am Montag in einer Telefonkonferenz. "Wir sind vollkommen überzeugt von unserer Offerte." Ob Bayer eine feindliche Übernahme gegen den Willen von Vorstand und Verwaltungsrat Monsantos vornehmen würde, kommentierte Baumann nicht. Die Übernahme sei komplett finanziert, Portfoliomaßnahmen wie ein schnellerer Ausstieg aus der Kunststofftochter Covestro seien dafür nicht nötig.

Monsanto: Angebot "ungebeten"

Die Monsanto-Übernahme biete für Bayer eine überzeugende Gelegenheit, "ein weltweit führendes Unternehmen für Saatgut, Pflanzeneigenschaften und Pflanzenschutz zu schaffen", erklärte Bayer. Der Glyphosat-Hersteller hatte das Angebot in der vergangenen Woche als "ungebeten und unverbindlich" bezeichnet.

Die Übernahme soll laut Bayer durch eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital finanzieren werden. Der Eigenkapitalanteil soll voraussichtlich rund 25 Prozent des der Transaktion zugrunde liegenden Unternehmenswerts abdecken, vornehmlich durch eine Bezugsrechtskapitalerhöhung. Die Monsanto-Aktien hatten am Freitag bei 101,52 Dollar geschlossen.

Mit der Übernahme von Monsanto würde die Sparte Pflanzenschutz zur größten des Konzerns. Bayer machte mit rund 117.000 Beschäftigten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 43,6 Milliarden Euro. Monsanto mit rund 21.000 Mitarbeitern wies im Geschäftsjahr 2014/15 einen Umsatz von 15 Milliarden aus. Wegen der Größe des Deals müsste die Antitrustbehörde in den USA und wahrscheinlich auch in der EU damit befasst werden. Der Zukauf könnte vor allem in den USA auf kartellrechtliche Hürden wegen Überlappungen im Saatgutgeschäft, insbesondere bei Sojabohnen, Baumwolle und Raps, stoßen.

Schlechtes Image

Der weltweite Markt für Pflanzenschutzmittel und Saatgut wird von Syngenta, Monsanto, Bayer, Dupont Pioneer, Dow Chemical und BASF kontrolliert. Monsanto und Bayer würden zusammen ein breites Angebot im Pflanzenschutz und Saatgut auf die Beine stellen.

Bei einer Übernahme der US-Amerikaner muss sich Bayer-Chef Baumann aber noch auf ganz andere Kritik einstellen: Kein anderer Konzern der Branche hat ein derart schlechtes Image wie Monsanto. Der Saatgutriese steht immer wieder wegen seiner aggressiven Geschäftspraktiken und seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. (Reuters, red, 23.5.2016)

  • Artikelbild
    foto: reuters
Share if you care.