Rohstoffe: Der wahre Preis

25. Mai 2016, 06:36
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Die europäischen Industrien haben in den vergangenen Jahrzehnten einfach gekauft, was sie brauchten – ohne zu fragen, ob der Preis dafür fair ist

Spätestens nach den Kapiteln Verfügbarkeit und Preis ist die Diskussion zum Thema Rohstoffe in Technikerkreisen meist zu Ende. Die politischen gesellschaftlichen und sozialen Aspekte werden dann wiederum anderen Experten überlassen. Parallel dazu findet die harte Wirklichkeit statt.

Die europäischen Industrien haben in den vergangenen Jahrzehnten einfach gekauft, was sie brauchten, wo immer sie es herkriegen konnten. Durch die enorme Wirtschaftskraft konnte man sich das einfach leisten. Die eigenen Rohstoffquellen sind währenddessen jedoch versiegt, oder die Förderung ist unrentabel geworden. Eine Politik zur Sicherung von Rohstoffen hat sich vorwiegend auf Energie wie Erdöl und -gas beschränkt. Das schlechte Gewissen aus kolonialistischen Zeiten hat offenbar zur Verdrängung der Thematik geführt.

Land grabbing

Die USA waren immer schon beinhart im weltweiten Durchsetzen ihrer Interessen, und die Chinesen sind es auf andere aber mindestens so konsequente Art. Dabei läuft die Sicherung der Rohstoffquellen eher selten auf die höfliche Art ab, Stichwort "land grabbing". Neben der Bändigung der Klimaerwärmung und einer klügeren gerechteren Verteilung der Nahrungsmittel ist wohl eine sozial- und umwelterträgliche Sicherung technischer Ressourcen die größte Herausforderung der Menschheit, und das lässt sich nur in globalen Modellen verwirklichen.

Es geht also nicht allein um die Frage, woher kriegen wir was zu welchem Preis in Dollar, Euro oder Renminbi, sondern auch darum, wem gehören die Rohstoffe eigentlich und welche Werte gelten als Einsatz oder stehen auf dem Spiel in diesem Tauschgeschäft. Es ist von allem und für alle genug da, die Frage ist nur, zu welchem Gesamtpreis. (Rudolf Skarics, 25.5.2016)

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    foto: apa/dpa/patrick seeger
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