Wolfgang Puschnig: Mit Instrumentalpoesie zum Wesentlichen

22. Mai 2016, 20:58
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Mit Saxofour und SamulNori im Wiener Konzerthaus

Wien – Es gibt Phasen der instrumentalen Raserei, der ausgereizten Komplexität wie der ausgelassenen Erprobung von Extremen. Und es gibt eine Zeit der Hinwendung zum Wesentlichen. Die erste Phase ist zumeist an frühe Entwicklungsepisoden gebunden, obwohl: Ein Saxofonist wie Wolfgang Puschnig stand, ob beim Vienna Art Orchestra oder bei seinen eigenen Projekten, immer schon für Improvisation, die Ideen ohne Notenverschwendung auf den Punkt brachte.

Zweifellos allerdings ist seit einer Weile für den Kärntner eine Reifephase angebrochen, die ihn, der am Samstag im Konzerthaus seinen 60. Geburtstag feierte, noch stärker auf der Suche nach Klarheit und Konzentration des Ausdrucks zeigt. Ob mit Saxofour, also im vierstimmigen Satz mit den Edelinstrumentalisten Christian Maurer, Florian Bramböck und Klaus Dickbauer, oder mit der südkoreanischen Percussiongruppe SamulNori – Puschnigs markanter Ton war auch beim Geburtstagskonzert der prägende quasi vokale Mix aus Süße, Melancholie und diskreter Intensität.

Musikalischen Situationen verleiht Puschnig durch seinen Ton und kleinste Ideenwendungen spontan etwas Besonderes, wobei die Logik seiner instrumentalen Gedanken ein zentraler Punkt ist.

Ebenfalls war zu erleben: Jazz ist für Puschnig jene offene, interessierte Kunst, die global Stilfarben sucht, um sich Inspiration zu holen. Mit US-Bassist Jamaaladeen Tacuma und dem armenischen Pianisten Karen Asatrian trifft Puschnig in diesem Sinne die südkoreanischen Trommler von SamulNori und produziert ausgelassene Fusionmusik.

Im Zwiegespräch mit Sänger Lee Jun Hyoung, der höchste Intensität im Sprechgesanglichen und Hymnischen generiert, war Puschnig der schelmische Zuhörer, der seine Umgebung kommentierend unterstützte und jederzeit für Pointen gut war. Es wurde ein opulenter, ausgelassener, einem uneitlen Künstler von Weltformat gewidmeter Abend. Auf dessen neuer CD Faces & Stories ist zu seiner Kunst des Wesentlichen Essenzielles zu hören. (Ljubisa Tosic, 22.5.2016)

  • Saxofonist Wolfgang Puschnig lud zum 60er ins Wiener Konzerthaus tolle Gäste ein.
    foto: apa/georg hochmuth

    Saxofonist Wolfgang Puschnig lud zum 60er ins Wiener Konzerthaus tolle Gäste ein.

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