Djokovic und Thiem, zwei Sammler mit Leidenschaft

22. Mai 2016, 17:23
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Novak Djokovic dürfte bei den French Open die Preisgeldhürde von 100 Millionen Dollar nehmen. Der Titel wäre ihm wichtiger, allein Paris fehlt in seiner Sammlung. Dominic Thiem reiste als Nizza-Sieger mit viel Selbstvertrauen an

Paris – Mit jedem Jahr, in dem es nicht klappt, wird der Druck größer. Novak Djokovic ist der "Überflieger" auch der bisherigen Saison, doch viel wird bei seiner Jahresbilanz 2016 wohl von den kommenden zwei Wochen abhängen. Der seit gestern, Sonntag, 29-jährige Serbe ist auch bei seinen zwölften French Open auf der Jagd nach seinem ersten Titel in Roland Garros. Der Coupe des Mousquetaires fehlt ihm noch in seiner Sammlung und für seinen Karriere-Grand-Slam. Erfolge bei den anderen drei Major-Turnieren hat er zuhauf gefeiert.

Große Erwartungen

Mit 37:3-Siegen in diesem Jahr ist Djokovic nach Paris gekommen, und von den vergangenen sieben Grand-Slam-Turnieren hat er gleich fünf gewonnen. Beim größten Sandplatzturnier der Welt stand Djokovic 2012, 2014 und 2015 schon im Finale. Speziell im Vorjahr, als sein Finalgegner – und Bezwinger – überraschend Stan Wawrinka hieß, hatten viele auf Djokovic getippt.

"Natürlich sind die Erwartungen nicht nur von meiner Seite groß, weil die Leute wissen, dass es der einzige Slam ist, den ich noch nicht gewonnen habe", weiß Djokovic um die besondere Situation. Doch auch wenn er das Turnier im 30. Lebensjahr beginnt, glaubt der "Djoker" nicht, dass ihm bereits die Zeit davonläuft. "Das Alter ist nur eine Nummer für mich. Ich denke, ich habe immer noch genügend Jahre vor mir, die mir die Möglichkeit geben, diesen Titel hier zu holen."

Derzeit steht Djokovic, der heuer schon in Australien siegte und also die Chance auf einen Golden Slam (vier Majors plus Olympiagold) hat, insgesamt noch auf einer Stufe mit Pete Sampras, Jimmy Connors, Stefan Edberg und Boris Becker. Sie alle hatten die French Open als einziges Major nicht gewonnen. Auch für einen klaren Weltranglisten-Leader ein sehr hoher Anspruch.

Selbstschutz und Demut

Darüber spricht Djokovic nicht. Die zwei Wochen in Paris werden schwierig genug. Wie zum Selbstschutz versucht der Serbe des-halb auch mit Demut auf bisher Geleistetes zurückzublicken. "Auch wenn es nie passiert. Ich muss sehr bescheiden und schon jetzt zufrieden sein damit, was ich alles erreicht habe. Selbst wenn meine Karriere morgen vorbei wäre, habe ich Dinge erreicht, auf die ich stolz sein muss."

Großer Abwesender ist Roger Federer, der erstmals seit 1998 nicht in Roland Garros spielt. Dafür wurde der Favoritenkreis zumindest durch den 2016 wieder stärker gewordenen neunfachen Paris-Rekordchampion Rafael Nadal erweitert. Und Andy Murray hat Djokovic zuletzt im Finale von Rom bezwungen. Im Semifinale könnte Djokovic auf Nadal treffen, das wäre ein Knüller. Da hätte Djokovic schon eine ungeheure Preisgeldmarke geknackt – als erster 100-Millionen-Dollar-Mann.

Thiems "perfekte Woche"

Davon ist Dominic Thiem mit knapp mehr als drei Millionen Dollar Preisgeld noch recht weit entfernt. Ansonsten schnuppert der Österreicher immer öfter hin. Am Samstag hat der 22-Jährige mit einem 6:4, 3:6 und 6:0 über den Deutschen Alexander Zverev (19) seinen Nizza-Titel verteidigt und den insgesamt sechsten Turniersieg gefeiert. Nebenbei ist damit Jürgen Melzer (fünf Turniersiege) überholt, Thiem hat noch Thomas Muster (44 Siege) vor sich. Das interessiert ihn weniger als die aktuellen French Open.

In Nizza war Thiem "überglücklich", er sprach von einer "perfekten Woche vor Roland Garros". Dort steigt er, als Nummer 13 gesetzt, am Dienstag gegen den Spanier Inigo Cervanter ein. Ebenfalls am Dienstag gibt Qualifikant Gerald Melzer gegen den Briten Aljaz Bedene sein Major-Debüt. (APA, sid, red, 22.5.2016)

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    foto: apa/afp/getty images/matthew sto
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