Deutschland: Fiat könnte Zulassungsentzug drohen

22. Mai 2016, 12:19
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Auch der Autokonzern Fiat Chrysler soll bei Abgastests getrickst haben. Im deutschen Verkehrsministerium denkt man über Konsequenzen nach

Amsterdam – Der Autokonzern Fiat Chrysler hat einem Zeitungsbericht zufolge bei Abgastests mit einer illegalen Software betrogen. Dies hätten Prüfungen des deutschen Kraftfahrt-Bundesamtes ergeben, berichtete die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf den vertraulichen Prüfbericht. Der Bericht sei bereits an die EU-Kommission und die italienische Zulassungsbehörde verschickt worden.

Laut dem Prüfbericht des Kraftfahrt-Bundesamtes habe der Autozulieferer Bosch die deutsche Behörde vor wenigen Wochen darüber informiert, dass Fiat in Fahrzeugen der besonders umweltfreundlichen Euro-Norm 6 auffällige "Software, Applikationen und Kalibrierungen" verwende, die "möglicherweise nicht gesetzeskonform erscheinen", hieß es in der "Bild am Sonntag".

Mehrere Prüfungen durch das Kraftfahrt-Bundesamt bestätigten den Angaben zufolge den Verdacht, dass in den Fahrzeugen die Abgasreinigung jeweils nach 22 Minuten vollständig abschalte. Damit sei "ein hinreichender Nachweis einer unzulässigen Abschalteinrichtung" erbracht, heiße es in dem Bericht. Auf Anfrage der Zeitung teilte Fiat Chrysler mit, der Konzern gebe "zu diesem Themenkomplex öffentlich keine Stellungnahme ab".

Aus dem deutschen Bundesverkehrsministerium werden Warnungen vor Konsequenzen laut. Laut "Bild" schließt das Ministerium nicht aus, dem italienischen Konzern bei einer bestätigten dauerhaften Missachtung von Abgaswerten den Autoverkauf in Deutschland zu untersagen. Im schlimmsten Fall drohe der "Verlust der Typenzulassungsgenehmigung". Ähnlich äußerte sich der CDU-Verkehrsexperte Patrick Schnieder. "Wer sich weigert, bei uns saubere Autos zu verkaufen, verkauft bald gar keine Autos mehr in Deutschland", sagte er dem Blatt.

Fiat sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, bei seinen Fahrzeugen Abgasvorschriften zu umgehen. Eine Untersuchungskommission des Ministeriums hat nach Angaben von Ressortchef Alexander Dobrindt Zweifel, ob bei dem Autobauer die Typgenehmigungsvorgaben eingehalten wurden. Zuletzt hatte Fiat kurzfristig einen Termin im Ministerium abgesagt und dies Dobrindt zufolge damit begründet, dass nur die italienischen Behörden in der Angelegenheit zuständig seien. Der Minister warf dem Unternehmen daraufhin ein "völlig unverständliches" und unkooperatives Verhalten vor. (APA, 22.5.2016)

  • Die Liste derjenigen, die getrickst haben, wird immer länger.
    foto: reuters/bianchi

    Die Liste derjenigen, die getrickst haben, wird immer länger.

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