Taliban-Chef Mansur bei Drohnenangriff getötet

22. Mai 2016, 11:57
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Luftschlag im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet war von US-Präsident Obama autorisiert

Washington – Der Taliban-Führer Mullah Akhtar Mansur ist offenbar getötet worden. Der afghanische Geheimdienst NDS und der Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah melden auf Twitter den Tod Mansurs bei einem Drohnenangriff in der pakistanischen Stadt Quetta. Sein Auto sei in Dahl Bandin angegriffen worden. Nähere Details gab es aus ihren Büros zunächst nicht.

US-Außenminister John Kerry hatte den Angriff mit der von Mansur ausgehenden Gefahr für US-Soldaten begründet. Mansur sei eine "unmittelbare Bedrohung für US-Mannschaften, afghanische Zivilisten und afghanische Sicherheitskräfte" gewesen, sagte Kerry am Sonntag.

Die Taliban hatten zuvor Berichte über den Tod ihres Anführers zurückgewiesen. In einer Botschaft am Sonntag hieß es: "Er lebt. Es gab keinen Anschlag auf ihn."

Das US-Verteidigungsministerium hatte in der Nacht auf Samstag berichtet, dass Mansur am Samstag bei einem US-Drohnenangriff im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet möglicherweise getötet worden sei. Das Ergebnis werde aber noch geprüft. Den Berichten zufolge erfolgte der Angriff in einem entlegenen Gebiet nahe Ahmad Wal in Westpakistan. Mehrere Drohnen hätten ein Fahrzeug beschossen, in dem sich neben Mansur noch ein anderer Mann aufgehalten habe. US-Präsident Barack Obama habe den Einsatz genehmigt.

Offiziell seit einem Jahr Chef

Mansur hatte Ende Juli 2015 die Führung der Taliban übernommen und Friedensgespräche abgelehnt. Im Geheimen hatte er die Islamisten aber schon länger geführt: Sein Vorgänger Mullah Omar, so stellte sich damals heraus, war schon zwei Jahre lang tot, bevor sein Ableben verkündet wurde. Mansur und andere aus dem Führungsgremium hatten den Tod aus Angst vor Machtkämpfen verschwiegen.

Mansur, der auf Mitte 40 geschätzt wird, war schon einflussreich, als die Taliban zwischen 1996 und 2001 in Afghanistan herrschten. Er wurde zuerst Flughafenchef der großen südafghanischen Stadt Kandahar, später Minister für den Flugverkehr. Er war somit nicht nur für die staatliche Fluglinie Ariana zuständig, sondern auch für die Luftwaffe, die damals aber nur aus ein paar alten Flugzeugen und Hubschraubern bestand.

In der Pentagon-Mitteilung wurde Mansur für den Tod tausender Zivilisten und Sicherheitskräfte verantwortlich gemacht. Er sei an der Planung von Angriffen gegen Einrichtungen in Kabul und anderen Teilen Afghanistans beteiligt gewesen.

Hohe Schlagkraft

Die Schlagkraft der Taliban war zuletzt ungebrochen: Laut Experten sind mehr als 100 der rund 400 Bezirke des Landes entweder in ihrer Hand oder dauerhaft umkämpft. Die Zahl der getöteten oder verletzten Zivilisten war 2015 mit mehr als 11.000 auf den höchsten Stand seit Beginn der internationalen Intervention gestiegen. Für 62 Prozent der Opfer seien die Aufständischen verantwortlich, berichtete die Uno.

Am Freitag hatte die Nato beschlossen, dass der aktuelle Einsatz in Afghanistan auch im kommenden Jahr fortgesetzt wird. Im Mai hatte die Nato noch erwogen, den Militäreinsatz 2017 in eine zivile Mission umzuwandeln. (APA, 22.5.2016)

  • Der Schauplatz des Drohnenangriffs in der pakistanischen Stadt Quetta, bei dem Taliban-Führer Mullah Akhtar Mansur offenbar getötet wurde.
    foto: apa/afp

    Der Schauplatz des Drohnenangriffs in der pakistanischen Stadt Quetta, bei dem Taliban-Führer Mullah Akhtar Mansur offenbar getötet wurde.

  • Mansur hatte Ende Juli 2015 die Führung der Taliban übernommen.
    foto: apa/afp

    Mansur hatte Ende Juli 2015 die Führung der Taliban übernommen.

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