Mindestens vier Tote bei Sturm auf Bagdads "Grüne Zone"

22. Mai 2016, 12:50
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Fast 100 Verletzte bei erneutem Angriff auf das Hochsicherheitsgebiet der irakischen Hauptstadt

Bagdad – Beim Sturm auf die schwer gesicherte "grüne Zone" um die wichtigsten Parlaments- und Regierungsgebäude in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. 90 Personen wurden nach Angaben vom Wochenende verletzt. Sie würden vor allem wegen Schussverletzungen behandelt, hieß es aus Krankenhäusern.

Anhänger des Schiitenpredigers Moktada al-Sadr hatten am Freitag das Regierungsviertel in Bagdad gestürmt. Die Sicherheitskräfte gingen mit scharfer Munition, Tränengas, Blendgranaten und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor. Sie konnten deren Vordringen aber nicht verhindern. Ein Vertreter der Sadr-Bewegung kritisierte die Regierung für den Einsatz "exzessiver Gewalt". "Es ist absolut ungerechtfertigt, mit scharfer Munition auf friedliche Demonstranten zu schießen", sagte Jafar al-Mussaui.

Der Vorfall löste bei den Vereinten Nationen Besorgnis aus. Chaos könnte den Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat behindern, sagte der UN-Sondergesandte für den Irak, Jan Kubis. US-Präsident Barack Obama sprach sich nach Angaben des Präsidialamts in Washington in einem Telefonat mit dem irakischen Regierungschef Haider al-Abadi für verschärfte Sicherheitsvorkehrungen aus.

Schon Ende April Proteste

Schon Ende April hatten Anhänger Sadrs die "Grüne Zone", das besonders stark gesicherte Regierungsviertel, gestürmt, das Parlamentsgebäude besetzt und politische Reformen gefordert. Seitdem ist das irakische Parlament noch nicht wieder zusammengetreten.

Der Irak ist seit Monaten politisch gelähmt. Angesichts von Massenprotesten und immer lauteren Reformforderungen versucht Premier Abadi seit Wochen, sein Regierungsteam durch ein neues Kabinett aus Experten zu ersetzen, die nicht nach konfessionellen oder parteilichen Kriterien ausgewählt werden. Mehrere Parteien wollen das verhindern, weil sie dann die Kontrolle über wichtige Ministerien verlieren würden. (APA, 22.5.2016)

  • Bei den Protesten wurden unter anderem Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten eingesetzt.
    foto: apa/afp/ahmad al-rubaye

    Bei den Protesten wurden unter anderem Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten eingesetzt.

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