Glücksspiel: Unkontrollierbares Internet

Kommentar20. Mai 2016, 17:05
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Es wäre naiv zu glauben, dass jetzt wirklich weniger gespielt wird

Studien über illegale Praktiken sind mit Vorsicht zu genießen, jene im Glücksspielbereich noch viel mehr. Man sollte die Erhebung des von Novomatic finanzierten Spielerschützers Gert Schmidt, wonach es derzeit noch 1.500 illegale Spielautomaten gibt, also nicht auf die Goldwaage legen. Eine andere Erhebung – vom Beratungsunternehmen Kreutzer, Fischer & Partner – kam vor zwei Wochen zu dem Schluss, dass noch fast 3.000 illegale Automaten in Österreich stehen.

Welche Zahl auch immer stimmt: Heute stehen weniger illegale Automaten als vor der Vergabe von Konzessionen für das kleine Automatenglücksspiel in den Bundesländern. Vor einigen Jahren lagen die Schätzungen noch bei 10.000 illegalen Automaten. In Wien, wo Anfang 2015 ein neues Gesetz in Kraft getreten ist, haben zahlreiche kleine Lokale zugesperrt. Es wäre aber natürlich naiv zu glauben, dass jetzt wirklich viel weniger gespielt wird.

Zum Teil gibt es eine Verlagerung zu den Sportwetten, die in Österreich absurderweise nicht zum Glücksspiel zählen – und natürlich in das Internet. Jeder Spielsüchtige kann heute mit dem Smartphone sein gesamtes Geld verspielen, ohne dass er je eine Spielhölle von innen gesehen haben muss. Der Onlinemarkt ist de facto unkontrollierbar. Europaweit einheitliche Regeln sind nicht in Sicht. Dieses Problem wird wesentlich schwieriger in den Griff zu bekommen sein als das Abdrehen der letzten illegalen Automaten. (Günther Oswald, 20.5.2016)

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