IWF-Prognose: Athen kann Schulden unmöglich zurückzahlen

20. Mai 2016, 15:35
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Wenn die Troika einem Nachlass der Schulden nicht zustimmt, würden Kredite und Zinsen unleistbar, so ein IWF-Papier

Wien – Eine neue Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeichnet ein düsteres Bild für die Zukunft Griechenlands. Wenn das Land seine Schulden wie vereinbart zurückzahlen muss, fressen im Jahr 2060 Zinsen und Kreditraten zwei Drittel des gesamten Volkseinkommens weg. Das berichtet das "Wall Street Journal" mit Verweis auf ein nichtöffentliches Papier, das der Fonds bei der vergangenen Sitzung der Eurogruppe präsentiert hat. So viel Geld nur für Kredite aufzubringen, ist für ein Land völlig undenkbar.

Der IWF geht in seiner neuen Prognose davon aus, dass der griechische Staat über die nächsten Jahrzehnte weniger spart als von der EU-Kommission angenommen. Griechenland soll nach Ansicht der EU jährlich einen Überschuss von 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung erzielen. Viele Ökonomen haben das in der Vergangenheit als unrealistisch bezeichnet. Wenn Athen aber weniger spart, steigen die Schulden stärker als zuvor berechnet. Der IWF hat Griechenland selbst Geld geliehen, seine Statuten verbieten ihm aber einen Nachlass der Gelder.

Die Schuldenquote, also der Anteil der Schulden an den Einkommen eines ganzen Jahres, steigt in der IWF-Rechnung bis 2060 auf 294 Prozent. Zum Vergleich: Die Eurozone sieht eine Schuldenquote von maximal 60 Prozent als gesund an. Derzeit liegen fast alle Länder der Währungsunion über der Schwelle, kein Land kommt aber auch nur annähernd an den prognostizierten Wert für Griechenland. Derzeit liegt die griechische Schuldenquote bei 177 Prozent.

Streichung der Schulden durch Hintertür

Die EU-Kommission und Griechenland verhandeln seit Monaten über eine Beteiligung des IWF am dritten Hilfspaket, das bis zu 86 Milliarden Euro groß sein soll. Deutschland pocht auf eine Beteiligung des Währungsfonds, weil es der EU-Kommission im Umgang mit Athen nicht traut. Der IWF ist grundsätzlich bereit, besteht aber auf einem massiven Schuldennachlass für Griechenland.

So soll das Land bis 2040 weder Zinsen zahlen noch Kredite tilgen müssen. Die Laufzeit der Schulden soll bis 2080 verlängert werden, so der IWF. Griechenland zahlt also das geliehene Geld in vollem Umfang zurück. Ein Euro ist in 60 oder 70 Jahren aber wegen der Inflation viel weniger wert als heute. Das kommt einer Streichung eines Teils der Kredite gleich.

Politischer Streit

Im vergangenen Sommer stand Griechenland kurz vor der Pleite, seither können Griechen nicht mehr als 420 Euro pro Woche von Bankomaten beheben. Das Land schnürte dann ein drittes Hilfspaket mit der EU-Kommission, der Zentralbank und dem Euro-Schutzschirm. Teil des Pakets sind auch Verhandlungen über einen Schuldennachlass, wenn Griechenland gewisse Reformen erfüllt. Das Land sieht die Zeit für einen solchen Deal nun gekommen, Deutschland und einige Länder Osteuropas sträuben sich aber.

Im Juli muss Griechenland wieder Milliardenkredite zurückzahlen. Die Gelder sollen aber erst dann fließen, wenn eine Einigung mit dem IWF steht. Findet sich keine Lösung, befürchten Experten die Insolvenz des Landes, was Banken den Zugang zu Geldern der Zentralbank verwehren und damit in die Pleite treiben würde. Ein Szenario, das im Vorjahr nur knapp verhindert werden konnte. (sat, 20.5.2016)

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