Milch aus der Pflanze

23. Mai 2016, 05:30
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Mandel-, Reis- und Getreidedrinks boomen. Doch wie gesund sind die Ersatzprodukte, und lohnt sich ein Umstieg überhaupt? Ein Überblick

Milch ist gesund – hieß es im Volksmund über viele Jahre. Das Nahrungsmittel war und ist auch heute noch mit vielen positiven Eigenschaften verbunden. Milch ist ein Kalziumlieferant und versorgt den Körper mit Vitamin B und E. Kinder trinken sie abends vor dem Schlafengehen mit einem Löffel Honig oder in der großen Pause, der Weihnachtsmann in den USA bekommt ein Glas Milch, dazu einen Teller Kekse, Milch erinnert an grüne Weiden, glücklich Kühe, gut duftendes Heu.

Seit einiger Zeit, wird das Drüsensekret der Kuh jedoch kritisiert. Es mache dick, einen Blähbauch oder löse Allergien aus, heißt es. Milch sei nur für Kälber vorgesehen, sagen Veganer. Aber was ist dran?

"Bei diesem Thema scheiden sich die Geister", sagt die Ernährungsberaterin Anna Rokop. "Wer sich wie ein Durchschnittsösterreicher ernährt und dann plötzlich die Milch weglässt, sollte sich in der Folge eine andere Kalziumquelle suchen." Andererseits könne der Mensch natürlich auch ohne Milch leben. "Es gibt immerhin viele Menschen in anderen Teilen der Welt, die auf Milch komplett verzichten." Die asiatische Bevölkerung etwa deckt ihren Kalziumbedarf mit Gemüsesorten, wie Brokkoli, Grünkohl oder Pak Choi. Auch Spinat, Rucola, Mohn, Sesam, Haselnüsse oder spezielle Mineralwässer enthalten Kalzium.

Geringere Knochendichte

Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2009 für die 9 Beobachtungsstudien mit insgesamt 2749 Teilnehmern untersucht wurden, hat ergeben, dass Veganer tatsächlich weniger Kalzium zu sich nehmen, als empfohlen wird und daher auch eine geringere Knochendichte haben. Die Unterschiede seien jedoch so gering, dass sie vermutlich nicht zu einer höheren Anfälligkeit für Osteoporose und Knochenbrüche führen.

"Wer langfristig auf milchfreie Ernährung umsteigen will, sollte sich professionell beraten lassen", sagt Rokop. Vorsicht ist bei der Auswahl pflanzlicher Produkte angebracht, die Milch im Müsli oder Kaffee ersetzen sollen, so die Ernährungsberaterin. Dazu zählen etwa die in Supermärkten erhältlichen Soja-, Hafer-, Reis- oder Mandeldrinks, die offiziell, aufgrund der Verwechslungsgefahr mit tierischer Milch, in der EU nur als "Drink" bezeichnet werden dürfen. "Einige dieser Drinks enthalten erstaunlich viel Zucker", sagt Rokop. Doch es gibt auch zuckerfreie Alternativen.

Neben Zucker werden den Ersatzdrinks häufig auch andere Stoffe zugesetzt, um einen der Milch ähnlichen Nährstoffgehalt zu erhalten, etwa Kalzium oder Vitamine. Von Natur aus enthalten die einzelnen namensgebenden Inhaltsstoffe meist nur wenige Nährstoffe. Für die Herstellung wird der jeweilige Rohstoff (Mandeln, Soja, Getreide, etc.) eingeweicht, gekocht, püriert und gesiebt. Was am Ende rauskommt, ist die fertige "Milch". Hinzukommt meist ein Öl und häufig auch ein Verdickungsmittel.

Weit weniger Proteine

Eine besonders beliebte Alternative zur Kuhmilch ist die "Mandelmilch". Sie enthält von Haus aus mehr Fett als Getreidedrinks, zusätzliches Öl wird deshalb meist nicht beigemischt. Die gute Nachricht: Mandelmilch enthält ungesüßt weniger Zucker als Kuhmilch. Dafür aber auch weit weniger Proteine. "Und auch die Zutatenlisten sind vergleichsweise lang, denn hier schenkt man sich bei der Hälfte der Produkte neben Wasser und Mandeln auch Verdickungsmittel, Emulgatoren und Stabilisatoren ein", berichtete im Vorjahr der Verein für Konsumenteninformation (VKI), der insgesamt 14 Milchersatz-Produkte getestet hat. Von vier Mandeldrinks wurden zwei als gut bewertet.

Auch Reisdrinks wurden vom VKI getestet. 100 Milliliter enthalten 3,39 bis 6,5 Gramm Zucker, obwohl kein Süßungsmittel zugesetzt wurde. Die Erklärung: Durch das Kochen von gemahlenem Reis entsteht eine cremige Masse, die man fermentieren lässt. Dabei bauen Enzyme einen Teil der Pflanzenstärke zu Zucker ab. Insgesamt sei in diesen Getränken mehr Zucker enthalten als in gesüßten Sojadrinks, betonten die Tester. Extra untersucht wurde auf Arsen, da sich größere Gehalte dieses Halbmetalls immer wieder in Reis finden. In vier der fünf Drinks lag der Arsengehalt unter dem Durchschnittswert, den die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, für Reisdrinks ermittelt hat. Aber auch bei geringer Belastung gilt, "Reisdrinks sind nichts für Säuglinge und Kleinkinder. Und auch Erwachsene sollten öfter einmal zu anderen Milchalternativen wechseln", rät der VKI.

Wer neben der Gesundheit auch auf die Geldbörse schaut, wird in Zukunft ebenfalls bei der Kuhmilch bleiben. Denn obwohl etwa in Mandelmilch meist nur ein geringer Prozentsatz von zwei bis sieben Prozent Mandeln enthalten ist, kostet der Liter mitunter bis zu drei Euro. Ein Preis, von dem Milchbauern nur träumen können. (Bernadette Redl, 23.5.2016)

  • Schmeckt nicht, ist ungesund oder unethisch – die Gründe für Milchverzicht sind vielfältig. Als Ersatz dienen pflanzliche Produkte. Dabei gilt: Nur wo wirklich Milch drinnen ist, darf in der EU auch Milch draufstehen. Ersatzprodukte heißen deshalb Drink, wie dieser Reisdrink hier.
    foto: wikipedia/user123456789/gemeinfrei

    Schmeckt nicht, ist ungesund oder unethisch – die Gründe für Milchverzicht sind vielfältig. Als Ersatz dienen pflanzliche Produkte. Dabei gilt: Nur wo wirklich Milch drinnen ist, darf in der EU auch Milch draufstehen. Ersatzprodukte heißen deshalb Drink, wie dieser Reisdrink hier.

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