Unwetter in Südasien: 60 Tote in Sri Lanka, Hitzerekord in Indien

20. Mai 2016, 12:20
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Große Teile Colombos evakuiert, über 60 Tote – Indische Behörden warnen vor "schwerer Hitzewelle", 51 Grad Celsius gemessen

Colombo – Schwere Unwetter in Sri Lanka haben nach Angaben der Behörden landesweit bereits eine halbe Million Menschen in die Flucht getrieben. Die Hauptstadt Colombo verließen demnach 200.000 Menschen, viele Bewohner brachten sich am Freitag mit Schlauchbooten und selbstgebauten Flößen aus den Überschwemmungsgebieten in Sicherheit. Landesweit kamen bereits mehr als 60 Menschen durch die Unwetter ums Leben.

Am vergangenen Wochenende waren die schwersten Unwetter seit 24 Jahren über dem Inselstaat im Indischen Ozean niedergegangen. Das Nationale Katastrophenschutzzentrum teilte mit, dass 21 der 25 Bezirke von Sri Lanka von den Überschwemmungen und Erdrutschen betroffen seien. Rund 300.000 Menschen seien in Notunterkünften untergebracht, 200.000 weitere hätten bei Freunden und Verwandten Unterschlupf gefunden.

Nach neuen Angaben der Behörden starben bereits 64 Menschen durch die Unwetter. Finanzminister Ravi Karunanayake sagte, allein beim staatlichen Versicherungsunternehmen seien Schäden in Höhe von 1,1 Milliarden Rupien (6,6 Millionen Euro) gemeldet worden. "Der tatsächliche Verlust liegt viel höher", fügte der Minister hinzu.

Große Teile der tief gelegenen 650.000-Einwohner-Stadt Colombo wurden über Nacht evakuiert. Das sri-lankische Militär rückte mit Booten und Hubschraubern an, um die Menschen in Sicherheit zu bringen. Die Bewohner bauten sich aus Plastikfässern Floße, um sich in Sicherheit zu bringen.

In einer Notunterkunft in Colombos Vorort Kolonnawa sagte eine Überlebende, sie sei mit ihrer Familie vor dem Hochwasser in ein höher gelegenes Gebiet geflüchtet, saß aber dann dort fest. "Die Marine rettete unser Leben, aber wir haben all unsere Habe verloren", sagte Diluka Ishani, Mutter zweier Kinder.

Überschwemmungen und Erdrutsche

Der heftige Regen hielt am Freitagmorgen an und ließ den Kelani-Fluss weiter steigen, der am Donnerstagabend über die Ufer getreten war. Die Gebiete rings um den Fluss im Nordosten von Colombo waren am schwersten von den Unwettern betroffen. Am Rande der Hauptstadt Colombo stand die Brauerei Lion unter Wasser.

Die schweren Unwetter hatten in den vergangenen Tagen eine Reihe von Überschwemmungen und Erdrutschen ausgelöst, zwei Dörfer in der Teeanbauregion Kegalle wurden verschüttet. Bis Freitag wurden noch 144 Menschen vermisst, darunter 37 Kinder. Es war aber unklar, ob sie sich zum Zeitpunkt des Unglücks alle in ihren Häusern aufgehalten hatten. Hoffnung, noch Überlebende des Erdrutsches zu finden, gab es praktisch nicht mehr, wie eine Einsatzkraft sagte.

Der sri-lankische Staatschef Maithripala Sirisena rief seine Mitbürger auf, Bedürftigen zu helfen. Sri Lanka habe bereits "etwas Hilfe von unseren Freunden in der internationalen Gemeinschaft" erhalten, sagte er in einer Fernsehansprache. Nun sei es an Privatleuten, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen, "auf jede Art zu helfen, wie Sie den Opfern helfen können".

"Nach ersten Einschätzungen sind mindestens 24.000 Kinder alleine in Gampaha, Kegalle und manchen Teilen Colombos von den Erdrutschen und Fluten betroffen und halten sich zum Teil in Notfall-Unterkünften auf. Die unmittelbaren Bedürfnisse sind nun Windeln für Kinder unter drei Jahren, Schlafmatten, Hygieneartikel, Bettwäsche, Zeltplanen, Moskitonetze sowie Spielzeug für Kinder", sagt Amenthi Jasinghe-Dabare, Einsatzleiterin der NGO World Vision in Sri Lanka.

Hitzerekord in Indien

Sri Lankas großer Nachbar Indien sagte zu, zwei Marineschiffe und ein Flugzeug mit Hilfsgütern zu entsenden. Im Norden Indiens herrscht indes ebenfalls Ausnahmezustand bei Temperaturen von bis zu 51 Grad. "Gestern gab es die höchste jemals im Land gemessene Temperatur – 51 Grad in Phalodi", sagte B.P. Yadav von Indiens Wetterbehörde am Freitag. Die Stadt liegt im Staat Rahasthan. Der alte Rekord lag bei 50,6 Grad und war 1956 gemessen worden.

Für das Wochenende warnte das indische Wetteramt vor einer "schweren Hitzewelle" in weiten Teilen Nord- und Westindiens. Von einer Hitzewelle wird in Indien bei Temperaturen ab 45 Grad gesprochen oder wenn die Temperatur fünf Grad über der Durchschnittstemperatur der Vorjahre in einer Region liegt. Im Mai und Juni klettern die Temperaturen in Nordindien häufig über die 40-Grad-Marke. Dass 50 Grad oder mehr erreicht werden, kommt allerdings sehr selten vor. (APA, AFP, 20.5.2016)

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    foto: reuters/dinuka liyanawatte
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