Fast 1.500 illegale Glücksspielgeräte in Österreich entdeckt

20. Mai 2016, 11:40
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Spielerschützer Gert Schmidt ist auch im Namen von Novomatic unterwegs und deckt Betreiber mit Anzeigen ein. Nur wenige "Häuptlinge" profitieren, Geldverleiher verdienen ebenfalls prächtig

Wien/Gumpoldskirchen – Trotz Totalverbots in einigen Bundesländern floriert das Automatenglücksspiel. Aktuell gibt es fast 1.500 illegale Geräte in Österreich, hat Spielerschützer Gert Schmidt erhoben. Er macht seit Jahren auch im Namen des Glücksspielkonzerns Novomatic Jagd auf unkonzessionierte Anbieter und deckt sie mit Anzeigen ein. Novomatic klagt sie dann.

Schmidt hat dem Kampf gegen das illegale Glücksspiel verschrieben und betreibt die Plattform spieler-info.at. Sieben Mitarbeiter beschäftigt der Branchenkenner. "Davon sind drei permanent im Außendienst und fahren ganz Österreich inkognito ab", sagt Schmidt im Gespräch mit der APA.

Die illegalen Standorte werden akribisch dokumentiert. 283 macht "Spieler-Info" derzeit aus, die meisten davon in Oberösterreich (96), der Steiermark (55) und Kärnten (30). In diesen Lokalitäten stehen insgesamt 1.455 Geräte, auch hier führt Oberösterreich (487), gefolgt von der Steiermark (293) und Kärnten (194). In Niederösterreich, dem Heimatbundesland von Novomatic, gibt es "nur" 87 Geräte. In Wien dürfte das Verbot, das seit Anfang 2015 in Kraft ist, hingegen greifen: Nur mehr 34 illegale einarmige Banditen haben Schmidt und seine Mitarbeiter im Mai hier gemacht.

Glücksspiel in mehreren Bundesländern verboten

Das Automatenzocken ist nicht nur in Wien untersagt. Auch Vorarlberg, Salzburg und Tirol erlauben das sogenannte kleine Glücksspiel nicht, dennoch kommen die westlichen Bundesländer nach Schmidts Zählung zusammen auf 351 Automaten. In den anderen Bundesländern – Oberösterreich, Niederösterreich, Steiermark, Kärnten und Burgenland – dürfen nur konzessionierte Anbieter Automatenspiel anbieten. Die meisten bisher vergebenen Lizenzen hat die Novomatic-Tochter Admiral inne.

Als Handlanger von Novomatic will sich Schmidt auf keinen Fall sehen. "Die Illegalen versuchen permanent, mich als verlängerten Arm oder Lobbyisten von Novomatic darzustellen", sagt er. Er habe seine Plattform "Spieler-Info" 2006 aus eigener Initiative gestartet, wenngleich er Novomatic-Eigner Johann Graf seit der Gründung des Glücksspielkonzerns kenne. "Ich bin mit ihm befreundet. Auch mit Leo Wallner (dem langjährigen Chef der Casinos Austria, der vergangenen Sommer 79-jährig verstorben ist, Anm.) war ich sehr gut bekannt."

Seit der vielkritisierten Novellierung des Glücksspielgesetzes (GsPG) 2010 sei die Arbeit schlagartig mehr geworden. "Einer der wichtigsten Pfeiler der Konzessionsvergabe ist die Pflicht des Staates, Spielsucht, Betrug und Geldwäsche zu bekämpfen. Auch die Konzessionäre sind verpflichtet, mit einem glaubwürdigen Spielerschützer zusammenzuarbeiten."

Klagen tun Illegalen weh

Genau aus diesem Grund kooperiere Novomatic seit mehreren Jahren mit ihm, so Schmidt. "Wir verrechnen die Fremdkosten weiter. Aufs Jahr gerechnet sind es sicher ein paar hunderttausend Euro. Teilweise arbeiten wir mit Detektiven, und immer mit Rechtsanwälten." Ein Geschäft sei die Jagd auf die Illegalen aber "im Großen und Ganzen nicht". Einige wenige Jahre habe er für seine Arbeit auch vom teilstaatlichen Casinos-Austria-Konzern – unter der Ära Wallner – Geld bekommen. An Novomatic sei er zwecks finanzieller Unterstützung 2010 herangetreten.

Schmidt bringt in jedem einzelnen Fall Anzeigen ein – über tausendmal hat er sich zuletzt an die Behörden gewandt. Zuerst übermittelt er seine Dokumentationen über den Standort an die Finanz, später an die zuständige Verwaltungsstrafbehörde (Bezirkshauptmannschaft oder Polizeidirektion). Auf Basis der entsprechenden Unterlagen bringe dann Novomatic Klagen nach dem Unlauterer-Wettbewerb-Gesetz (UWG) gegen die illegalen Konkurrenten ein, erzählt Schmidt.

Die UWG-Klagen hätten den "Vorteil", dass sie den Illegalen finanziell wehtun. Wenn Novomatic vor Gericht siegt, verfüge dieses Beugestrafen von bis zu einer Million Euro. Wenn sie die Verurteilten also trotz Verbots weiterspielen, müssen sie zahlen. Vielen "Häuptlingen", wie Schmidt die Hintermänner nennt, sei das jedoch egal. "Die spielen mitunter munter weiter." Dabei legten sie gewissermaßen die einzelnen Geschäftsführer herein. "Sie nehmen sich einen Geschäftsführer, der schlicht und einfach kein Geld hat. Dem sagt man, ihm könne nichts passieren: 'Wir verschieben die Beugehaft bis zu einem Jahr. In diesem Jahr spielst du mit zehn Automaten eine Million Euro ein. Dann gehst du in Privatkonkurs.'" Das Problem dabei: "Strafen des Gerichts sind vom Privatkonkurs nicht erfasst. Die Leute bleiben getäuschterweise auf ihren Strafen sitzen."

Wenige "böse Buben"

Schmidt ist der Überzeugung, dass in Österreich nur ganz wenige "böse Buben" vom illegalen Automatenspiel profitieren. "Die haben meist Firmen mit 20 oder 50 Mitarbeitern." Auch gegen diese geht Schmidt vor, in Kürze will er eine umfangreiche Anzeige bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft einbringen. Die "Häuptlinge" machten riesige Gewinne, spiele doch ein illegaler Automat im Monat rund 7.000 Euro ein.

Ein neuer Trick laut Schmidt: Viele behaupteten, es handle sich nicht um Glücksspiel, sondern um ein Geschicklichkeitsspiel. Damit wollten sie sich nicht nur die Konzession ersparen, sondern auch Steuern. Bei Geschicklichkeitsspielen falle nur die normale Umsatzsteuer von 20 Prozent an, nicht jedoch die Glücksspielabgabe in Höhe von 43 Prozent. "In Österreich sind jetzt schon 800 Geschicklichkeitsautomaten aufgestellt." Sportwetten gelten in Österreich übrigens nicht als Glücksspiel.

Ein "ganz eigener" Geschäftszweig in den Spiellokalen sei der – freilich auch illegale – Geldverleih. "Die machen sich an die Spieler ran und sagen: Ich borge dir 1.000 Euro und du kannst weiterspielen." Ob die Geldverleiher mit den Automatenbetreibern zusammenarbeiten, wisse er nicht genau, so Schmidt.

Der selbst ernannte Spielerschützer ist aber trotzdem guter Dinge, dass das illegale Glücksspielangebot in zwei, drei Jahren bis auf einen "Bodensatz" zurückgedrängt werden kann. Schon in den vergangenen Jahren seien viele Geräte verschwunden. Auch wenn zu den 1.455 derzeitigen einarmigen Banditen noch geschätzte 500 Tablets und Co. hinzukämen, über die die Spiellokalbesucher direkt in Online-Casinos zocken können. Im Jahr 2010 habe es noch 10.000 illegale und "nur" etwa 7.000 legale Geräte (inklusive der Automaten in den Spielbanken) gegeben. (APA, 20.5.2016)

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    grafik: apa
  • Vergangenen September wurden in Wien beschlagnahmte Glücksspielautomaten zerstört.
    foto: apa/herbert neubauer

    Vergangenen September wurden in Wien beschlagnahmte Glücksspielautomaten zerstört.

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