Unabhängigkeitssymbol Kataloniens bei Spaniens Cupfinale unerwünscht

20. Mai 2016, 11:46
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Die "Estelada" ist beim Endspiel zwischen dem FC Barcelona und Sevilla verboten

Barcelona/Madrid – Die Estelada als Symbol: Wenn am Sonntag der FC Barcelona im Estadio Vicente Calderon von Madrid im spanischen Cupfinale auf den FC Sevilla trifft, werden seine Fans besonders genau gefilzt werden. Ein Erlass der spanischen Regierung verbietet ihnen nämlich, die katalanische Unabhängigkeitsfahne auf die Ränge mitzunehmen. In Katalonien wird das als weiterer Affront gesehen.

"Die Sache mit der Fahne im Cupfinale ist ein Symbol", poltert Raul Romeva, der Chef des katalanischen Sekretariats für auswärtige Angelegenheit. In Barcelona hängt die um einen Stern erweiterte Version der Senyera ("Fahne"), des aus vier roten Streifen auf gelbem Hintergrund bestehenden offiziellen Banners Kataloniens, auf vielen Balkonen. Darauf verweist auch der aktuelle Regionalpräsident Carles Puigdemont: "Die Fahne ist völlig legal, Millionen Katalanen sehen in ihr ein Symbol der Freiheit."

Die Estelada (genauer: Senyera estelada, das "Sternenbanner") steht allerdings meist für das gesamte Territorium der sogenannten katalonischen Länder, die neben Katalonien auch die Region Valencia, Teile Aragoniens und die Balearen umfassen. Die Estelada gibt es seit 1918, Vorbild war die Flagge Kubas. Es gibt sie gleich in zwei Versionen: mit weißem Stern auf einem dreieckigen blauen Hintergrund für den gemeinen Independentisten und mit einem roten Stern auf gelbem Hintergrund für den Anhänger eines sozialistischen Katalonien.

Beide Fahnenvarianten verboten

Im Madrider Calderón-Stadion sind am Sonntag beide verboten. Offiziell, weil Symbole, die gewaltsames oder terroristische Verhalten provozieren könnten, nicht geduldet werden. Doch sieht Puigdemont in der Aktion nur einen weiteren, gezielt provokanten Nadelstich Madrids gegen Katalonien. Dabei könnten doch innerhalb des spanischen Staates neue Strukturen geschaffen werden, wünscht sich Romeva, Kataloniens inoffizieller Außenminister, mehr Kompromissbereitschaft der Zentralregierung. "Alle demokratischen Bemühungen werden aber unterbunden."

Neben der konservativen Volkspartei (PP) sind auch die Sozialisten (PSOE beziehungsweise PSC), die jedoch immerhin ein föderaleres Modell fördern wollen, und die bürgerlich-liberale Neo-Partei Ciudadanos (katalanisch Ciutadans) gegen die Option eines Unabhängigkeitsreferendums. Einzig das linke Bündnis zwischen Podemos (in Katalonien Si que es Pot) und der Vereinten Linken (Izquierda/Esquerra Unida) spricht sich offen für die Möglichkeit einer Abstimmung aus. Kritiker werfen den katalanischen Politikern freilich vor, mit der Separatismusdebatte von wichtigeren Themen abzulenken, etwa der bei rund 40 Prozent liegenden Jugendarbeitslosigkeit, dem Schulwesen oder Sozialfragen an sich.

Unabhängigkeit sportlich ein Schuss ins Knie

Der FC Barcelona gilt mittlerweile als Aushängeschild der Unabhängigkeitsbewegung. Zeigt die Matchuhr im Camp-Nou-Stadion 17:14 Minuten an, erschallt der Ruf "Independencia" – in Anspielung auf eine historische Niederlage im Spanischen Erbfolgekrieg, der nach dem Tod des letzten spanischen Habsburgers Karl II. geführt wurde. Am 11. September 1714 wurde Barcelona nach langer Belagerung von den Truppen des spanischen Königs Philipp V. eingenommen.

Barca habe sich diesbezüglich eben gut vermarktet, ätzt man hingegen beim weitaus kleineren Stadtrivalen Espanyol Barcelona. Bei den Blau-Weißen sehe man die Frage entspannter, so Pressesprecher Andres Merello. "Wir haben Separatisten ebenso unter unseren Fans wie spanische Traditionalisten." Der Name des Klubs erklärt sich dadurch, dass der vom Schweizer Joan Gamper 1899 gegründete FC Barcelona vor mehr als hundert Jahren der Verein der in der Stadt lebenden Ausländer gewesen sei. Daher wurde damals mit "Español" um 1900 ein Verein für die Spanier gegründet.

Bei einer Loslösung Kataloniens von Spanien müssten beide Stadtrivalen die Primera Division verlassen. Vor allem für Barca, den 24-fachen Meister, könnte das sportlich und wirtschaftlich dramatische Folgen zeitigen. In einer eigenständigen katalanischen Meisterschaft würde das fußballerische Niveau notwendigerweise sinken. Und vermutlich auch die Zuschauerzahlen. Merello: "Zum FC Barcelona kommen auch viele Ausländer. Touristen, denen die Unabhängigkeit Kataloniens ziemlich egal ist. Ich glaube nicht, dass die an Spielen gegen einen Verein wie Sabadell interessiert sind, der in Spanien derzeit unterklassig ist, in Katalonien aber in der höchsten Liga wäre." (APA, red, 20.5.2016)

  • In Barcelonas Camp Nou herrscht an Esteladas kein Mangel.
    foto: ap/ morenatti

    In Barcelonas Camp Nou herrscht an Esteladas kein Mangel.

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