Van der Bellen wirbt ein letztes Mal um Unentschlossene

Video20. Mai 2016, 12:28
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Beide Kandidaten absolvierten ihre Abschlusskundgebungen

Wien – Fünf Monate hat der Bundespräsidentenwahlkampf gedauert. "Ich werde jetzt nicht sagen: Schade, dass es vorbei ist", sagte Alexander Van der Bellen bei seiner letzten Pressekonferenz vor dem Wahlsonntag. "Es war doch ein bisschen lang." Trotzdem blicke er dem Sonntag zuversichtlich entgegen. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass eine so große und breite Bewegung entstehen kann." Die vielen Unterstützer aus verschiedenen Parteien und Gesellschaftsschichten würden ihn motivieren. "So etwas trägt einen." Er hoffe, "knapp, aber doch" vorne zu liegen.

Am Freitag forderte der von den Grünen unterstützte Kandidat ein letztes Mal unentschlossene Wähler dazu auf, ihn zu wählen. "Ich weiß schon, dass manche meiner politischen Einstellungen von früher oder von jetzt nicht auf hunderprozentige Zustimmung stoßen." An Unentschlossene und solche, die weiß wählen wollen, richtete er einen Appell: "Wenn Sie schon große Vorbehalte gegen mich haben, überlegen Sie, ob die gegenüber meinem Konkurrenten nicht noch größer sind."

"Innerer Zusammenhalt"

Die Bundespräsidentenwahl stoße auf so großes Interesse, weil sie eine Richtungswahl sei, meint Van der Bellen. Es gehe darum, welchen Weg Österreich in den nächsten sechs Jahren einschlagen solle. Er jedenfalls wolle den Zusammenhalt im Land fördern. Auch der Zusammenhalt innerhalb der Europäischen Union und die Zusammenarbeit mit den "europäischen Partnern" halte er für essenziell. Ohne seinen Gegenkandidaten Norbert Hofer oder die FPÖ in seiner Rede zu nennen, warnte Van der Bellen vor "Austrittsfantasien", der Aufhebung des Schengenraums und dem Austritt aus der Währungsunion. "Das gefährdet Arbeitsplätze."

"Unausgegorene Ideen"

Zudem warnte der Präsidentschaftskandidat erneut vor einer "blauen Republik". FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hatte Anfang Mai gefordert, dass Südtirol selbst entscheiden solle, ob es künftig zu Österreich gehören will. "Die Idee, Südtirol aus Italien herauszulösen, bedeutet neue Grenzziehung in Europa", sagt Van der Bellen. Es wäre ein Problem der "blauen Republik", dass der Bundespräsident mit solchen "unausgegorenen Ideen" übereinstimmen könnte oder sie sogar unterstütze. Der FPÖ-Chef sei ein "Elefant im Porzellanladen", der europäische Beziehungen gefährde.

(koli,20.5.2016)

  • Alexander Van der Bellen: "Wenn Sie schon große Vorbehalte gegen mich haben, überlegen Sie, ob die gegenüber meinem Konkurrenten nicht noch größer sind."
    foto: apa/hochmuth

    Alexander Van der Bellen: "Wenn Sie schon große Vorbehalte gegen mich haben, überlegen Sie, ob die gegenüber meinem Konkurrenten nicht noch größer sind."

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