Fabio Zolly: Turmbau zu Kärnten

21. Mai 2016, 09:00
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Um das Ende der Höhenflüge geht es in der Ausstellung im Projektraum Viktor Bucher in Wien

In der Wirklichkeit kann einem die Romantik bisweilen abhandenkommen. Und in solchen die Befindlichkeit empfindlich irritierenden Zeiten, die einem die Welt- und Außer-Landes-Flucht nahelegen, bekommt der Titel Rendezvous mit der Realität eine bittersüße Note. Und das soll er vermutlich ja auch.

Nicht nur Mid-Career-bedingt hat Fabio Zolly (geb. 1955 in Spittal/Drau) sich und anderen eine Art Kassasturz verordnet. Das Treffen mit der traurigen Realität initiierte er erstmals Ende 2015 in Kärnten, in der Burgkapelle des Klagenfurter Museums moderner Kunst (MMKK). Da legte er den Finger in die Wunde des Landesbankrotts, hinterlassen von der Regierung des noch immer verehrten Bärentalers Jörg Haider; und Zolly rieb allen den bekanntlich vor dem Fall kommenden Hochmut nochmals unter die Nase -

etwa in Form eines bewusst lächerlich gestalteten Pappkartonhäuschens, das jede kräftige, über die Karawanken fegende Böe umpusten könnte. Aber wer hoch hinauswill, wie dieses auf dünnen Füßen aufgebockte Kabäuschen, der ignoriert solche Wetterkapriolen. Kurator Lucas Gehrman attestiert dem Größenwahn des "hohen Hauses" Ähnlichkeiten zum Turmbau zu Babel: Während dieser bis zum Himmel reichen sollte, stößt die gestelzte Kärntner Papierhütt'n bereits an den Plafond. Aktuell befindet sich dieser im Projektraum Viktor Bucher, wo Zollys Installation Rendezvous mit der Realität nun als Volume 2 präsentiert wird.

Obendrein: Ganz dicht ist das Häuschen, auf dem düstere Rabenvögel hocken, auch nicht. Die Folge des Dachschadens vernimmt man auf einer Tonspur des anspielungsreichen Ensembles: Es tropft und tropft und tropft – und im morschen Gebälk macht sich der Specht zu schaffen.

Zusammengeschrumpft

Aus sicherer Entfernung beäugt der Künstler das carinthische Drama: Ein winziger 3-D-gedruckter Zolly sitzt ernüchtert auf einer Kunsttransportkiste. Die stammt aus seiner New Yorker Zeit, einer Schaffensphase, in der vieles noch möglich schien und nach oben noch viel Luft war. Aber auch dieser Plafond ist erreicht. Nicht nur politisch, auch karrieretechnisch ist mancher Traum ausgeträumt oder hat sich, wie Zollys Alter Ego, redimensioniert.

Ein Wiedersehen gibt es in der Schau zudem mit Zollys Absperrbändern und seinem Spruch "copyright by fabio zolly. do not enter". Was einst als Aneignungsgeste Fragen zum öffentlichen und sozialen Raum aufwarf, löst nun jedoch – etwa auf Fotos von Gibraltar, Athen und Paris – Assoziationen mit Krisenthemen wie Grenzen, Migration und Terror aus. Dieser höchst lebendige Umgang mit dem eigenen OEuvre, es in veränderte Kontexte zu rücken und Neuinterpretationen anzuregen, ist höchst charmant. (Anne Katrin Feßler, Album, 21.5.2016)

Projektraum Viktor Bucher, Praterstraße 13/1/2, 1020 Wien

  • Nicht einmal auf tönernen Füßen steht dieses hohe Haus aus Pappe: ein Sinnbild  von Fabio Zolly zur Pleite  in Österreichs  südlichstem  Bundesland.
    foto: projektraum viktor bucher

    Nicht einmal auf tönernen Füßen steht dieses hohe Haus aus Pappe: ein Sinnbild von Fabio Zolly zur Pleite in Österreichs südlichstem Bundesland.


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