Zu viele Apps: Googles wirre Messenger-Strategie

22. Mai 2016, 17:13
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Google hat auf der I/O drei neue Kommunikations-Apps vorgestellt

Gmail, Talk und Voice, Wave, Buzz, Google+, Hangouts, Messenger und nun Spaces, Allo und Duo. Googles Liste an Kommunikationsdiensten und -Apps ist lange und von durchwachsenem Erfolg gekennzeichnet. Während sich Gmail als Email-Dienst etablieren konnte, wurden etwa Google Wave und Buzz wieder eingestellt. Auf seiner Entwicklerkonferenz I/O hat das Unternehmen gleich drei neue Kommunikations-Apps vorgestellt, die unter anderem mit Facebook Messenger und Whatsapp in Konkurrenz treten.

Wieder eingestellt: Wave und Buzz

Seit dem Start von Gmail im Jahr 2004 hat das Unternehmen Kommunikationsdienste mit unterschiedlichen Ansätzen entwickelt. Google Wave wurde 2009 als Kollaborationstool samt Messaging-Features vorgestellt, über das kleine Teams zusammenarbeiten konnten. 2012 wurde es allerdings wieder eingestellt. 2010 startete das Unternehmen mit Buzz ein soziales Netzwerk, das zu Beginn noch als Twitter-Killer und Googles Antwort auf Facebook gefeiert, aber schon 2011 wieder eingestellt wurde.

Weiterentwickelt: Hangouts und Messenger

2011 öffnete das soziale Netzwerk Google+ seine Tore, das mit Hangouts einen Videochatdienst und mit Huddle (später in Google+ Messenger umbenannt) eine Chatfunktion für Mitglieder bot. 2013 wurden die Funktionen von Messenger und Hangouts in eine eigenständige Hangouts-App ausgelagert, die nachträglich um SMS/MMS- sowie VoIP-Funktionen erweitert wurde. Die App ersetzte auch Google Talk, das 2015 schließlich eingestellt wurde, und vereinte schließlich Messaging, Telefonate und Videochats.

Obwohl Google nun alle diese Funktionen unter einem Dach vereint hatte, startete das Unternehmen 2014 eine weitere eigenständige Apps namens Messenger. Auf Googles eigener Geräte-Serie Nexus fungiert sie als Standard-SMS-App, über den Play Store kann sie aber auch auf andere Android-Geräte heruntergeladen werden.

Neu: Spaces, Allo und Duo

Nun sind aber SMS/MMS nicht mehr der bevorzugte Kanal für Nutzer, um Kurznachrichten zu verschicken. Und Hangouts sowie Google+ sind längst nicht so populär wie Facebook, sein Messenger und Whatsapp. Mit den drei neuen Apps Spaces, Allo und Duo versucht Google nun abermals einen neuen Ansatz zu finden, um zur Konkurrenz aufzuschließen.

Spaces dient zum Austausch von Videos und Bildern sowie für Konversationen in einer Gruppe mit gemeinsamen Interessen. Mit Allo hat Google einen neuen Messenger vorgestellt, der den Google Assistant integriert hat und über Funktionen wie Smart Reply verfügt. Damit richtet sich Google direkt gegen den Facebook Messenger, der seit kurzem Chatbots unterstützt. Duo wiederum soll Videotelefonie für Android und iOS bieten. Duo und Allo sollen im Sommer veröffentlicht werden, Spaces gibt es bereits jetzt für Android und iOS sowie als Webversion.

Es bleibt verwirrend

Nutzern macht es Google damit nicht unbedingt leicht, wie "Engadget" gut veranschaulicht. Wer eine Textnachricht an einen Freund verschicken will kann das über Hangouts, Allo oder Messenger tun. Für Videoanrufe gibt es Hangouts und Duo. Für Gruppenchats stehen Hangouts, Allo oder Spaces an. Auch Facebook hat zahlreiche eigenständige Apps mit unterschiedlichem Fokus. Diese dienen dem Unternehmen unter anderem um neue Funktionen auszutesten und sie eventuell später in die Hauptapp zu integrieren. Facebook kann einen Fehlschlag bei diesen Apps aber besser verkraften, da es mit der Hauptapp, dem Messenger und Whatsapp drei enorm erfolgreiche Anwendungen hat.

Es ist fraglich wie lange sich Spaces, Allo und Duo als eigenständige Apps halten oder später zu einer neuen App zusammengeführt werden. Ob Google damit so viele Nutzer wie seine Konkurrenten anlocken kann, ist zweifelhaft. (br, 22.5.2016)

  • Google: erfolgreich mit seiner Suchmaschine und dem mobilen Betriebssystem Android, nicht so erfolgreich bei Messaging-Diensten.
    foto: ap photo/eric risberg

    Google: erfolgreich mit seiner Suchmaschine und dem mobilen Betriebssystem Android, nicht so erfolgreich bei Messaging-Diensten.

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