Subaru: Wie man sich ein halbes Jahrhundert lang durchboxt

21. Mai 2016, 11:12
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Der kleine japanische Hersteller hat sich durch drei Besonderheiten einen Namen gemacht: Boxermotoren, Allrad, eigenwilliges Design. Jetzt wird gefeiert: 50 Jahre Boxer – und da passt gut, dass man beim Fahrzeugabsatz erstmals die Million überspringt

Wien – Österreich galt Anfang der 1980er-Jahre noch als Insel der Seligen, weil Waldheim noch nicht Bundespräsident geworden war, und die ländliche Gesellschaft teilte sich in zwei Gruppen. Die großen Bauern fuhren Mercedes, die kleinen VW Käfer. Der damals frischgebackene Audi-Chef Ferdinand Piëch ließ sich zu dem gewagten Sager hinreißen, dass Allradantrieb bald kaum mehr als einen Satz Winterreifen kosten würde. Während also Audis Marketingmaschinerie unter dem Titel Quattroantrieb gerade anlief, hatte diese Idee ein kleiner japanischer Autohersteller bereits in die Tat umgesetzt.

Allradantrieb

Subaru hatte ausschließlich Limousinen mit Allradantrieb im Programm und verkaufte sie in den 1980er-Jahren wie die warmen Semmeln. Vor allem in den alpinen Tälern. Je weiter westlich, umso mehr davon. Die Käfer-Bauern stiegen also von ihren altersschwachen Kugelporsches direkt auf Subaru um. Und hatten ihre helle Freude damit. Was sicher nie einer Strategie folgte und trotzdem Faktum ist: von Vierzylinder-Boxer auf Vierzylinder-Boxer, von luftgekühlt auf wassergekühlt. Von Hinterradantrieb auf Allradantrieb, einfach zwar, weil zuschaltbar wie bei einem Geländewagen, doch mit Traktionsgarantie in allen Lebenslagen.

Seit damals ist auch der Boxermotor das Markenzeichen von Subaru, auch wenn es bei kleineren Modellen, die man in diversen Kooperationen baute, auch Reihenmotoren gab. Auch Allradantrieb war immer ein Markenzeichen, selbst wenn diese Antriebsbesonderheit nicht lückenlos verfolgt wurde. Subaru, die nach dem Sternbild der Plejaden benannte Pkw-Sparte von Fuji Heavy Industries, erlebte gute und schlechte Zeiten und kooperierte mit unterschiedlichen Partnern: Suzuki, General Motors – und zuletzt mit Toyota wieder sehr erfolgreich.

Angedachte Umbennnung

Dass man noch einiges vorhat in Zukunft, lässt sich wohl daran ablesen, dass man zum hundertjährigen Firmenjubiläum im kommenden Jahr beschloss, per 1. März 2017 auch das Mutterunternehmen Fuji Heavy Industries (FHI), das unter anderem Busse, Lokomotiven, Landmaschinen und Flugzeuge herstellt, in Subaru Corporation umzutaufen. Außerdem will man bis dahin den eigenen Produktionsrekord brechen und mehr als eine Million Fahrzeuge jährlich bauen.

Erstaunlich, wie man es immer wieder schafft, trotz erschwerter Produktionsbedingungen durch den aufwendigen Boxermotor, wirtschaftlich zu arbeiten. Es mag wohl an der konsequenten Pflege des Exotentums liegen, das im Wesentlichen aus der Kombination Allradantrieb und Boxermotor erwuchs. 2008 präsentierte man sogar einen Boxer-Dieselmotor, um im Zuge des Dieselbooms nicht aus dem europäischen Markt zu kippen. Er sollte bis heute der einzige seiner Art bleiben.

Rallyelegenden

Durchaus aufsehenerregende Sporteinsätze taten das ihre dazu, man denke nur an den Impreza, der über Jahre die WRC-Rallye-Weltmeisterschaft dominierte oder an den vor fünf Jahren präsentierten Basic-Sportwagen BRZ, der gemeinsam mit Toyota entwickelt wurde und auch als Toyota GT 86 verkauft wird. (Rudolf Skarcis, 21.5.2016)

  • Wie alles begann: Mit der Limousine 1000 lancierte Subaru am 14. Mai 1966 das erste Fahrzeug mit Boxermotor.
    foto: subaru

    Wie alles begann: Mit der Limousine 1000 lancierte Subaru am 14. Mai 1966 das erste Fahrzeug mit Boxermotor.

  • Seitdem produzierte der japanische Hersteller über 16 Millionen Boxermotoren, darunter seit 2008 auch einen Diesel.
    foto: subaru

    Seitdem produzierte der japanische Hersteller über 16 Millionen Boxermotoren, darunter seit 2008 auch einen Diesel.

  • Dieses Bild zeigt den heutigen Stand: 1,6-Liter-Turbo-Boxer mit 170 PS.
    foto: subaru

    Dieses Bild zeigt den heutigen Stand: 1,6-Liter-Turbo-Boxer mit 170 PS.

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