Egypt Air: Französische Luftfahrtbehörde bestätigt Rauchalarm

21. Mai 2016, 12:24
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Suchmannschaften fanden Wrack- und Leichenteile im Meer – Absturzursache weiterhin unklar

Kairo/Paris/Athen – Kurz vor dem dem Absturz des ägyptischen Flugzeugs über dem Mittelmeer am Donnerstag hat es an Bord einen Rauchalarm gegeben. Der Rauch sei aus dem Toilettenbereich im vorderen Teil der Maschine gemeldet worden, sagte eine Sprecherin der zivilen französischen Luftfahrtsicherheitsbehörde BEA am Samstag. Dieser befindet sich bei Maschinen dieses Typs in direkter Nähe des Cockpits.

Vor dem Absturz seien entsprechende Signale des ACARS-Systems des Flugzeugs gesendet worden, hieß es von BEA. Ein Rückschluss auf die Ursache des Unfalls sei damit aber nicht möglich. Dazu müssten zunächst die Flugschreiber gefunden und die Daten ausgewertet werden.

Sensoren im Cockpit aktiviert

Das Expertennetzwerk "Aviation Herald" veröffentlichte einen Auszug des Datenfunksystems ACARS, das automatisch Nachrichten zwischen Verkehrsflugzeugen und Bodenstationen übermittelt. Diese deuten auf ein plötzlich auftretendes Ereignis im rechten vorderen Bereich des Flugzeugs hin. Innerhalb kurzer Zeit seien auch Sensoren an Fenstern auf der rechten Seite, unter anderem im Cockpit, aktiviert worden. Eine Minute nach dem Rauchalarm bei der Toilette registrierte das System außerdem Rauch an der Bordelektronik, die sich unter dem Cockpit befindet.

Die Daten lassen darauf schließen, dass der Störfall im Inneren des Flugzeuges auftrat. Als letzte Nachricht schickte das ACARS-System einen Hinweis auf den Ausfall eines Steuerungssystems. Das geschah um 2.29 Uhr Ortszeit – Momente, bevor der Flug MS804 vom Radar verschwand.

Erste Wrackteile gefunden

Laut Ägyptens Militär wurden am Freitag erste Wrackteile des Airbus gefunden. Die Marine habe die Trümmer 290 Kilometer nördlich der Stadt Alexandria ausgemacht, teilte das Militär am Freitag mit. Egypt Air bestätigte den Fund auf Twitter.

Schiffe der Marine sind derzeit auf der Suche nach dem Flugschreiber, der Aufschlüsse über die weiterhin unbekannte Absturzursache geben soll. Bereits mit dem ersten Tageslicht waren griechische Flugzeuge in Kreta gestartet. Auch eine griechische Fregatte nahm an der Aktion teil, meldete das griechische Radio.

Zunächst gab es keine Hinweise auf Überlebende. Die ägyptischen Behörden hätten darüber informiert, dass südlich von der Stelle, an der das Signal des Flugzeugs verlorengegangen war, auch Objekte aus der Kabine entdeckt wurden, sagte der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos am Freitag. Demnach soll sich darunter auch ein Leichenteil befunden haben. Kammenos betonte im TV-Sender ERT: "Der Krisenstab Ägyptens hat uns über die Bergung eines Körperteils, eines oder zweier Sitze und einiger Kofferteile informiert". Er fügte hinzu: "Wir haben nichts gefunden. Die Leitung hat Ägypten."

foto: esa & sentinel-1 mission performance centre/handout via reuters
Ein Satellitenbild aus der Suchgegend zeigt möglicherweise einen Ölfleck.

Widersprüchliche Angaben

Am Donnerstag hatten Behörden und Fluggesellschaft widersprüchliche Aussagen zum angeblichen Fund von Wrackteilen gemacht. Die entdeckten Gegenstände sind "nicht Teile unseres Flugzeugs", korrigierte der Vizepräsident der Fluglinie, Ahmed Adel, am Abend gegenüber CNN frühere Angaben seines Unternehmens.

"Was gefunden wurde, ist ein Stück Holz und Materialien, die nicht von einem Flugzeug stammen", sagte Behördenchef Athanasios Binis der Nachrichtenagentur AFP. Zuvor hatte Griechenland Berichte aus Ägypten dementiert, wonach Wrackteile nahe der Insel Karpathos geortet wurden. Demnach hieß es auch, dass griechische Helfer die Suche auf Wunsch der Ägypter abgebrochen hätten.

Mehrere Drehungen vor Absturz

Die Maschine mit 56 Passagieren – vorwiegend Ägypter und Franzosen, Österreicher waren nicht an Bord – und zehn Crewmitgliedern war in der Nacht auf Donnerstag über dem Mittelmeer von den Radarschirmen verschwunden.

Das Flugzeug war etwa zehn bis fünfzehn Seemeilen im ägyptischen Luftraum in einer Höhe von 37.000 Fuß (knapp 11.300 Meter) ins Trudeln geraten, berichtete Kammenos. "Dann machte es eine Drehung von 90 Grad nach links und danach eine andere Drehung von 360 Grad nach rechts und fiel auf eine Höhe von 15.000 Fuß. Sein Radarbild verschwand auf einer Höhe von 10.000 Fuß." Einen Notruf setzten die Piloten nicht mehr ab.

grafik: apa

Spekulation über Anschlag

Bei einer genauen Analyse des Vorfalls sei die Wahrscheinlichkeit eines Terroranschlags höher als die eines technischen Versagens zu veranschlagen, sagte Ägyptens Luftfahrtminister Sherif Fathy. Er warnte aber zugleich vor voreiligen Schlussfolgerungen.

Auch der französische Außenministers Jean-Marc Ayrault sagte am Freitag, die Ursache sei nach wie vor unklar. Es gebe weiterhin "überhaupt keinen Hinweis" auf die Umstände des Unglücks, sagte er im Fernsehsender France 2. Weiterhin würden alle Hypothesen zu dem Absturz untersucht, keine davon habe Vorrang.

Die USA gaben sich ebenfalls zurückhaltend: "Bisher haben wir niemanden, der sich dazu bekannt hat, oder Beweise, dass es eine absichtliche Tat war", sagte der Direktor der US-Bundespolizei FBI, James Comey. Bisher würden keine Erkenntnisse darauf hindeuten, dass es an Bord eine Explosion gegeben habe, sagte eine Pentagon-Sprecherin über entsprechende Spekulationen.

Ein Flugzeug gerät ins Trudeln, wenn der Auftrieb an einer Tragfläche abreißt. Das Flugzeug dreht sich dann unter schnellem Höhenverlust immer wilder um die eigenen Achse. Für das Trudeln kann es verschiedene Gründe geben – dass es kein Notsignal gab, spricht aber für ein plötzliches Ereignis wie eine Explosion. Sowohl in Ägypten als auch in Frankreich nahmen die Staatsanwaltschaften Ermittlungen auf.

Untersuchungskommission eingesetzt

In den vergangenen Monaten hat es bereits mehrere Zwischenfälle mit Flugzeugen aus Ägypten gegeben. Ende März hatte ein Mann mit einer Bombenattrappe eine Egypt-Air-Maschine nach Zypern entführt. Ende Oktober war ein russischer Ferienflieger über der Sinai-Halbinsel abgestürzt, nachdem an Bord eine Bombe explodiert war. Zu der Tat, bei der 224 Menschen starben, bekannte sich die Jihadistengruppe "Islamischer Staat".

Luftfahrtminister Fathy gab bekannt, im aktuellen Fall bereits eine Untersuchungskommission eingesetzt zu haben. Vorsitzender wird Kapitän Ayman el-Moqadem, in dem Ausschuss sitzt laut Egypt Air auch ein Flugzeughersteller. (red, APA, 20.5.2016)

  • Ein Schiff der griechischen Marine auf der Suche nach Wrackteilen.
    foto: apa/afp/ho

    Ein Schiff der griechischen Marine auf der Suche nach Wrackteilen.

  • Auch die griechische Luftwaffe ist bei der Suchaktion im Einsatz.
    foto: reuters/stefanos rapanis

    Auch die griechische Luftwaffe ist bei der Suchaktion im Einsatz.

  • Französische Ermittler kamen am Freitag im ägyptischen Luftfahrtministerium an.
    foto: apa/afp/khaled desouki

    Französische Ermittler kamen am Freitag im ägyptischen Luftfahrtministerium an.

  • Eine Egypt-Air-Maschine verschwand am Donnerstag von der Luftraumüberwachung.
    foto: reuters/christian hartmann

    Eine Egypt-Air-Maschine verschwand am Donnerstag von der Luftraumüberwachung.

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