Bluttest-Milliardärin Holmes fällt immer tiefer

20. Mai 2016, 06:05
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Das Start-up Theranos wollte Bluttests revolutionieren, seine Erfinderin wurde damit reich. Jetzt muss es zehntausende Tests zurückrufen

Palo Alto – Die Idee war im wahrsten Sinne des Wortes bestechend: Ein einziger Bluttropfen aus der Fingerspitze sollte ausreichen, um mehr als 100 Krankheiten zu diagnostizieren. Aids, Hepatitis und einige Krebsarten damit zu diagnostizieren sollte möglich sein. Bluttests – vielen schon alleine wegen der Blutabnahme mit der Spritze ein Gräuel – sollten eine "wunderbare Erfahrung" werden, sagte Gründerin und Chefin Elizabeth Holmes, der gut die Hälfte der Firma gehörte. Die Biotech-Unternehmerin, wollte nichts weniger, als die Labortechnik revolutionieren. Dabei Gentests anstatt Nährböden verwenden, wenn Blut von Patienten auf Bakterien und Viren untersucht werden muss, und damit billiger sein. Das war die Idee.

Jetzt geht es mit Theranos scheinbar ebenso steil bergab, wie es davor bergauf ging. Nicht nur, dass diverse US-Behörden ermitteln – der Vorwurf lautet, dass die Tests untauglich seien –, Theranos selbst hat laut einem Bericht des "Wall Street Journal" Ergebnisse seiner Bluttests aus den Jahren 2014 und 2015 im großen Stil für ungültig erklärt. An zehntausende Ärzte und Patienten mussten korrigierte Testergebnisse ausgegeben werden.

Milliardärin

Aus dem Tech-Star wird zunehmend ein Schmuddelkind: Einst wurde die Mittzwanzigerin von der Presse in den USA schon zum weiblichen Steve Jobs hochgeschrieben. Die Unternehmerin Elizabeth A. Holmes, die Theranos in Palo Alto gründete, hatte sich einen Platz in der Reichenliste verdient: Ihr 50-Prozent-Anteil an Theranos wurde auf 4,5 Milliarden Dollar taxiert.

Umso tiefer scheint jetzt der Fall. Auch eine Geschichte, die die Presse mag. Laut Wall Street Journal zählt zu den berichtigten Ergebnissen nicht nur traditionelle Labortests sondern auch solche des Edison-Bluttests. Dieser war es, der dadurch bekannt geworden ist, weil er nur mit einem Tropfen Blut aus der Fingerspitze so präzise Ergebnisse wie bisherige Verfahren liefern sollte.

Das "Wall Street Journal" will nicht einmal ausschließen, dass Patienten aufgrund der falschen Tests nicht korrekt behandelt wurden. Einen Professor der diese düstere Aussicht teilt, fand man in Geoffrey Baird, Professor für Labormedizin an der University of Washington in Seattle: "Es gab in der Vergangenheit bereits massive Rückrufe einzelner Tests, aber mir ist kein Fall bekannt, in dem eine Firma sämtliche Testresultate zurückgerufen hat. Ich denke, das gab es noch nie", zitiert ihn die Zeitung. (red, 20.5.2016)

  • Blutjung und erfolgreich – eine Karriere, wie sie in Palo Alto gerne gesehen wird.
    foto: reuters/allegri

    Blutjung und erfolgreich – eine Karriere, wie sie in Palo Alto gerne gesehen wird.

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