Keine Baufirma für provisorischen Berliner Regierungsflughafen

19. Mai 2016, 18:53
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Weitere Verzögerungen bei Teil-Projekt drohen – Standort, Ausstattung und Zeitplan des Protokollbereichs am neuen Hauptstadt-Airport waren heftig umstritten – Nun gibt es weitere Probleme

Schönefeld/Berlin – Am neuen deutschen Hauptstadt-Airport bei Berlin drohen weitere Verzögerungen beim Teil-Projekt Regierungsflughafen. Für den Bau eines provisorischen Terminals für Staatsgäste hat sich auf Anhieb kein Unternehmen gefunden. "Es gab ursprünglich drei Interessenten, die am Ende kein Angebot abgegeben haben", sagte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld dem "Handelsblatt" (Donnerstag).

"Wir versuchen jetzt, mit den Firmen herauszufinden, woran das gelegen hat", so Mühlenfeld. Das werde die Flughafengesellschaft den Sommer über beschäftigen.

Nach der für 2017 geplanten Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens sollen in dem provisorischen Terminal etwa fünf Jahre lang Staatsgäste einchecken. Dann soll der tatsächliche Regierungsflughafen in Betrieb gehen, dessen Baufeld jetzt noch belegt ist. Wie lange genau die Interimslösung benötigt wird, ist nach Mühlenfelds Worten noch unklar. "Wir tun unser Bestes, aber ich kann noch nicht garantieren, dass wir es exakt in den gewünschten fünf Jahren schaffen."

Über das Projekt hatten sich der Bund als Flughafen-Miteigentümer und die Geschäftsführung zerstritten, bei der letzten Aufsichtsratssitzung gelang ein Kompromiss mit der Fünf-Jahres-Frist. "Auch in Baufirmen liest man Zeitung, und die Querelen zwischen Bund und Flughafen sind dort nicht im Verborgenen geblieben", sagte der Verkehrspolitiker der Linken im Bundestag, Herbert Behrens. "Niemand nimmt einen Auftrag an, von dem man nicht weiß, wie er am Ende aussieht."

Der problembehaftete Bau des Airports hält die Flughafengesellschaft weiter in den roten Zahlen. Trotz Rekord-Passagierzahlen an den Bestandsflughäfen Tegel und Schönefeld machte das staatliche Unternehmen im vergangenen Jahr 137,7 Millionen Euro Verlust, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht. Im Vorjahr hatte das Minus bei 171,3 Millionen Euro gelegen. Wie 2014 trugen Ausgaben für den Bau und Kreditkosten des neuen Flughafens sowie höhere Rücklagen zu dem Verlust bei.

Der Umsatz stieg unterdessen von knapp 289 Millionen Euro auf gut 326 Millionen Euro. "In unserem Kerngeschäft sind wir deutlich gewachsen", bemerkte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. Das operative Ergebnis (EBITDA) habe sich um 52 Prozent auf 85,2 Millionen Euro verbessert. Mühlenfeld erwartet, dass sich das Passagierwachstum beschleunigt. Nach einem Plus von 5,5 Prozent auf 29,5 Millionen im Vorjahr werde die Zahl in diesem Jahr um 7 Prozent auf 31,8 Millionen zulegen.

Sparen konnte das Unternehmen durch den Wechsel des Geschäftsführers Mitte März 2015. Mühlenfeld erhielt nach dem Geschäftsbericht für ein gutes Dreivierteljahr 375.000 Euro. Sein Vorgänger Hartmut Mehdorn kassierte von Jänner bis Mitte März 165.000 Euro. Hinzu kam für das Vorjahr eine Prämie von 135.000 Euro. (APA, 19.5.2016)

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